Zu Hause statt im Altersheim

01.06.2009

Viele ältere Menschen wünschen sich möglichst lange in der gewohnten Umgebung zu Hause bleiben zu können. Dies ist nur möglich, wenn jemand da ist, der die Betreuung übernimmt. Oft ist es die Schwiegertochter oder Tochter, die diese Dienstleistung erbringt und somit Anrecht auf eine angemessene Entschädigung hat.

Den Kindern Kostgeld zahlen

Im ZGB Art. 334 heisst es: „Mündige Kinder oder Grosskinder, die ihren Eltern oder Grosseltern in gemeinsamem Haushalt ihre Arbeit oder ihre Einkünfte zugewendet haben, können hiefür eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Entschädigung kann mit dem Tode des Schuldners geltend gemacht werden.“ Wenn nichts besteht, kann auch nichts geltend gemacht werden, deshalb werden die Abmachungen am besten schon zu Lebzeiten getroffen. Der Betreuungsaufwand ist zu Beginn meist gering und nimmt schleichend zu. Zuerst übernimmt man die Wäsche und das Einkaufen, später isst der Vater oder die Mutter am Familientisch mit und mit zunehmender Hilfsbedürftigkeit steigt der Zeitaufwand für die Betreuerin. Kann der Sohn dem Vater Rechnung stellen, dafür, dass seine Frau den Vater pflegt? Oft hat man Hemmungen von den Eltern Geld zu verlangen. Aber die AHV der Eltern ist für den Lebensunterhalt gedacht und muss nicht für die Erben gespart werden.

Gemeinsame Abmachungen

Es ist Sache der ganzen Verwandtschaft, respektive der Erben, wie die Betreuung geregelt wird. Im Wohnrecht auf dem Bauernhof ist die Betreuung und Pflege nicht automatisch inbegriffen. Durch gemeinsame Gespräche aller Kinder und der Eltern muss der richtige Weg gefunden werden. Zur Entlastung der Betreuerin bei Engpässen kann die Spitex oder verschiedene Angebote der Pro Senectute in Anspruch genommen werden. Oder vielleicht machen die Eltern von Zeit zu Zeit Ferien bei ihren anderen Kindern. Die Ablösung muss unbedingt geregelt sein: z.Bsp. ein freier Tag pro Woche um Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen. Damit die Abmachungen verbindlich sind, schliessen die beiden Parteien am besten einen Vertrag ab. Bei der Pro Senectute kann ein Betreuungs- und Pflegevertrag bezogen werden.

Fallbeispiel

Der Schwiegervater lebt allein im Stöckli, wo er Wohnrecht hat. Er ist 80 Jahre alt und durch einen Schlaganfall leicht behindert. Sein Wunsch ist es, so lange wie möglich im Stöckli zu bleiben. Die Schwiegertochter ist bereit die Betreuung zu übernehmen. Für die Hausarbeit benötigt sie wöchentlich 1½ Std. Die Mahlzeiten nimmt der Schwiegervater am Familientisch ein. Durch seine leichte Behinderung ist er auf Hilfe beim An- und Auskleiden und bei der Körperpflege angewiesen ca. 2½ Std. pro Tag. Einen Tag pro Woche übernimmt eine Nachbarin die Betreuung und Verpflegung. Der Schwiegervater hat häufig Besuch, der von der Schwiegertochter verköstigt wird. Pro Monat fallen ca. 25 Autokilometer für Arztbesuche etc. an.

Berechnung pro Monat
 
Verpflegung 26 Tage à Fr. 30.00 Fr.     780.00
Hausarbeit 6 Std. à Fr. 27.00 Fr.     162.00
Wäsche Fr.     112.00
Betreuung 26 x 2½ Std. = 65 Std. à Fr. 27.00 Fr.  1'755.00
Autofahrten 25 km à Fr. 0.60 Fr.       15.00
Bewirtung von Besuch 10 x Fr. 6.00 Fr.       60.00
Total Fr.  2'884.00

Mit Hilfe der Richtwerte für Dienstleistungen im bäuerlichen Haushalt von der agridea Lindau wurde ein monatlicher Betrag von Fr. 2'884.00 berechnet (exklusive Betreuung und Kost durch die Nachbarin). Diese Zahl kann z.B. verglichen werden mit den monatlichen Kosten im Alters- und Pflegeheim, die im vorliegenden Beispiel bei ca. Fr. 6'500.00 pro Monat liegen. Die Berechnung dient aber vor allem als Diskussionsgrundlage für die beiden Parteien, bevor ein Vertrag abgeschlossen wird. Falls Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt zu decken, können bei der Gemeinde Ergänzungsleistungen beantragt werden. Unabhängig von Einkommen und Vermögen kann eine Hilflosenentschädigung beansprucht werden, sobald man im alltäglichen Leben auf Hilfe angewiesen ist. Auskunft erteilt die AHV/IV-Zweigstelle der Gemeinde.

Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich an die Pro Senectute oder die Fachstelle Familie und Betrieb  , Tel. 058 105 91 15

Bezugsadressen

Pflegevertrag: www.pro-senectute.ch / Downloads / Weitere
Richtwerte für Dienstleistungen: http://www.agridea-lindau.ch / Publikationen / Fachgebiete / Hauswirtschaft, Agrotourismus / Finanzen, Dienstleistungen / Dienstleistungen im Haushalt / Daten und Formulare



Zusätzliche Informationen zum Inhalt

Familie & Betrieb

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Liselotte Keller-Hagmann

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Bäuerinnen & GesundheitTelefon:+41 58 105 91 15E-Mail:Infos zur Person
Véronique Keller

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