Startdüngung Getreide und Raps 2008

26.02.2008
Gerste und Weizen

Gerste und Weizen

Die Tage sind schon deutlich länger und wärmer, untrügliches Zeichen, dass der Frühling naht.Somit ist es an der Zeit, sich einige Gedanken über die diesjährige Startdüngung in Getreide und Raps zu machen.

Getreide – bei der Startdüngung nicht übertreiben

 

Dieses Jahr sind die Getreidebestände weit weniger stark entwickelt als noch vor einem Jahr.
Weizen ist aufgrund der langen Saatperiode im letzten Herbst sehr unterschiedlich weit entwickelt. Die Entwicklungsstadien reichen vom 3-Blattstadium (EC13) bei Spätsaaten bis in die Bestockungsphase (EC26) bei extremen Frühsaaten. Dank milden Verhältnissen im Januar und anfangs Februar konnten auch Spätsaaten ihren Entwicklungsrückstand von Ende Dezember mehrheitlich wettmachen.
Viele Bestände wurden durch die eisigen Nächte Mitte Februar arg durchgeschüttelt, was sich nach der Frostperiode deutlich an der grauvioletten Blattfarbe zeigte. Ausfälle gab es jedoch kaum. Einige Bestände sind allerdings hoch gefroren und sollten zwecks Bodenschluss unbedingt angewalzt werden. Wer sich im Herbst an die empfohlenen Saatmengen hielt, hat bezüglich des erreichten Entwicklungsstandes nun gute Voraussetzungen für das Erreichen einer optimalen Ertragsstruktur von 500 - 550 starken Trieben/m2.
Für einen Ertrag von 80 - 100 dt/ha benötigt Weizen bis zum 1-Knotenstadium (EC31) nicht mehr als 70 kg N/ha. Da der Boden (0 – 60 cm) nach diesem eher niederschlagsarmen Winter sicherlich rund 30 kg pflanzennutzbare N/ha während dieser Phase bereitstellen kann, sind in der Regel auch dieses Jahr kaum mehr als 40 - 50 kg N/ha zum Starten nötig.
Gerste hat sich bis jetzt weitgehend optimal entwickelt, lediglich einige Spätsaaten fallen deutlich ab. Frostschäden beschränken sich weitgehenden auf die ältesten Blätter. Die gelbfarbenen Gerstenfelder, die man häufig beobachten kann, zeigen beginnenden N-Mangel. Aufgrund ihres fortgeschritteneren Entwicklungsstandes ist Wintergerste daher in nächster Zeit anzudüngen. Im Gegensatz zu Weizen ist die Startgabe auf 30 - 40 kg N/ha zu beschränken.
Triti​cale kann etwa gleich angedüngt werden wie Weizen. Roggen eher wie Gerste wobei die Startgabe bei Roggen aufgrund des besseren N-Aneignungsvermögens um 10 – 20 kg zu reduzieren ist. Die genannten unteren Mengenangaben gelten hauptsächlich für üppigere Bestände, auf Parzellen mit regelmässigem Einsatz vom Mist oder Kompost sowie bei Kunstwiese als Vorkultur.Die erste N-Gabe im Getreide kann entweder mineralisch in Form von Mg-Ammonsalpeter + S oder organisch über Gülle erfolgen. Mit diesen Düngern sollte auch die nötige S-Versorgung gewährleistet sein.

Raps - Bestandesentwicklung und -zustand entscheidet über die Höhe der Startgabe

Auch die Rapsbestände wurden durch die eisigen Nächte Mitte Februar arg betroffen, was sich nach der Frostperiode ebenfalls an der grauvioletten Farbe der Blätter äusserte. Schäden wurden bisher nicht bekannt. Ebenfalls können regelmässig rotviolettfarbene Rapsbestände oder Teilbereiche beobachtet werden. Bei diesen Verfärbungen handelt es sich um Phosphormangel, der durch Luftarmut im Boden verursacht wird, meist eine Folge von Bodenverdichtungen während der Saat. Sobald sich die Böden weiter erwärmen, werden die Symptome wieder verschwinden, sofern ausreichend Phosphor vorhanden ist.
Wie hoch die Startdüngung bei Raps dieses Jahr ausfallen muss, hängt im Wesentlichen vom gegenwärtigen Entwicklungszustand sowie von der Verfassung der Pflanzen ab. Üppige Bestände (Pflanzen mit mehr als 12 Blättern) sollten nicht zu hoch angedüngt werden, schwach entwickelte Bestände oder solche mit grösseren Blattverlusten hingegen nicht zu tief.
In üppigen Beständen sollten erfahrungsgemäss zum Starten nur etwa 40 % der gesamten N-Menge gedüngt werden, das heisst 50 - 60 kg N/ha. In schwachen Beständen hingegen sollten mehr als 50 % also rund 70 - 80 kg N/ha verabreicht werden.
Sehr dünne Bestände keinesfalls höher andüngen! Wenn zu viele Pflanzen fehlen, kann auch Stickstoff diese nicht ersetzen.
In normalen Beständen liegen Sie mit der Hälfte der erforderlichen N-Menge zum Starten goldrichtig. Zwei bis drei Wochen später, zu Beginn des Streckens, ist als zweite N-Gabe die restliche N-Menge von 60 - 90 kg N/ha zu düngen. Mit den neuen stabilisierten N-Düngern besteht nun die Möglichkeit, die gesamte N-Menge in einer Gabe kurz vor Vegetationsbeginn (i.d.R. vor dem 10. März) zu verabreichen. Hinsichtsichtlich Ertragswirkung und Ertragssicherheit hat sich dieses Verfahren in Deutschland bewährt. Da bei diesem N-Dünger kein Luxuskonsum auftritt, kann auch in üppigen Beständen problemlos eine frühe hohe N-Gabe verabreicht werden.
Wie jedes Jahr ist bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung zu tragen. Auf Hochrisikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) sind rund 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten dagegen reichen 20 - 40 kg. Mehr sollte nicht eingesetzt werden (Auswaschung!). Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge in die erste Gabe fallen. Als Dünger empfehle ich Bor-Ammonsalpeter mit Schwefel (N26/S14). Damit wird auch gleichzeitig die erforderliche Bor-Versorgung sichergestellt. Kommen keine borhaltigen N/S-Dünger zum Einsatz, kann Bor auch in einem späteren Zeitpunkt mittels einer Borspritzung verabreicht werden.
Noch bestehende Schwefeldefizite können im Zeitpunkt der Abschlussgabe entweder über Mineraldünger (Bor-Ammonsalpeter + S, Mg-Ammonsalpeter + S) oder über Gülle gedeckt werden.



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