Startdüngung Getreide und Raps 2009 - Empfehlungen

25.02.2009
Weizenspätsaat im 1-/2-Blattstadium (EC11-12), 25.2.2009

Weizenspätsaat im 1-/2-Blattstadium (EC11-12), 25.2.2009

Ein langer und kalter Winter neigt sich langsam dem Ende zu. Somit ist es an der Zeit, sich Gedanken über die diesjährige Startdüngung in Getreide und Raps zu machen.

Winterweizen - in Spätsaaten eher nitrathaltige N-Dünger vorsehen

Als Folge des frühen Wintereinbruchs und des lang andauernden kalten Wetters sind die Weizenbestände gegenüber anderer Jahre in ihrer Entwicklung vielerorts deutlich im Rückstand. Besonders weit zurück sind Spätsaaten, die zurzeit erst das 1- oder 2-Blattstadium erreichen (EC11/12). Nur Normal- und Frühsaaten erreichen die Bestockungsphase (EC21 - 24).
Frostschäden sind kaum zu beobachten, höchstens hoch gefrorene Bestände. Diese sollten zwecks Bodenschluss bei nächster Gelegenheit angewalzt werden.
Wenn Sie bei Spätsaaten die Saatmenge entsprechend erhöht haben, bleiben die Chancen für einen guten Ertrag weiterhin intakt, andernfalls ist mit Ertragseinbussen zu rechnen. Für einen Ertrag von 80 dt/ha benötigt Weizen bis zum 1-Knotenstadium (EC31) rund 70 kg N/ha. Da der Boden (0 – 60 cm) nach diesem insgesamt eher niederschlagsarmen Winter sicherlich 30 kg N/ha pflanzennutzbaren Stickstoff bereitstellen kann, sind auch dieses Jahr kaum mehr als 40 - 50 kg N/ha zum Starten nötig. Spätsaaten, die erst das 1- bis 2-Blattstadium (EC11 – EC12) erreichen, haben erfahrungsgemäss ein noch schwach ausgebildetes Wurzelsystem. In diesen Fällen ist es von Vorteil, leicht lösliche und schnell wirksame Nitratdünger einzusetzen. Dies aber nur dann, wenn die Pflanzen deutliches Wachstum zeigen. Um die erforderliche Schwefelversorgung sicherzustellen, sollte die erste N-Gabe in Form eines schwefelhaltigen N-Düngers (z.B. Mg-Ammonsalpeter mit Schwefel) ausgebracht werden. Auch Gülle und flüssiges Gärgut (Presswasser) kann diesbezüglich eingesetzt werden!

… und Wintergerste, -roggen und -triticale?

Gersten-, Roggen- und Triticalebestände sind im Entwicklungsstand zwar ebenfalls zurück, aufgrund der früheren Saat aber weit weniger stark als Weizenbestände. In allen Fällen befinden sich die Bestände in der Bestockung.
Da die Bestände dieses Frühjahr kaum Gefahr laufen, all zu dicht zu werden, kann Gerste mit rund 30 - 40 kg und Roggen mit 30 kg N/ha angedüngt werden. Bei Triticale empfehle ich wie bei Winterweizen 40 - 50 kg N/ha als Startgabe. Da das Wurzelsystem besser entwickelt ist als bei Weizenspätsaaten, kann als 1. N-Gabe problemlos Gülle und Presswasser eingesetzt werden.

Winterraps – Bestände eher hoch andüngen

Optimale Rapsbestände sollten jetzt 35 – 45 kräftige Pflanzen/m2 (Hybridsorten) bzw. 45 – 55 Pflanzen/m2 (Liniensorten) mit 8 - 10 Blätter und einem Wurzelhalsdurchmesser von mind. 1 cm verfügen. Nur Saaten vor dem 5. September 2008 erreichen den gewünschten optimalen Entwicklungsstand. Saaten nach dem 5. September wurden durch den kalten und nassen September so massiv in ihrer Entwicklung gebremst, dass sie jetzt meist weniger als 8 Blätter aufweisen, schwach sind und zudem noch lückig sein können.
Aufgrund der Kälte und der starken Bise ohne Schneebedeckung im Januar haben die weiter fortgeschrittenen Bestände besonders gelitten. Sie haben dabei einen Teil ihrer Blätter eingebüsst.
Aufgrund der genannten Tatsachen empfehle ich dieses Frühjahr für Raps folgende Startgaben:

  • Optimaler Bestand: 60 - 80 kg N/ha mit Frostschäden: 70 - 80 kg N/ha
  • Schwacher Bestand: 80 kg N/ha mit Frostschäden: 80 kg N/ha

In sehr lückigen Beständen ist die N-Gabe entsprechend zu reduzieren. Wenn zu viele Pflanzen fehlen, kann auch Stickstoff diese nicht ersetzen. Sollte es doch üppigere Bestände mit mehr als 10 Blätter geben, so ist die erste N-Gabe auf 60 kg/ha zu beschränken. Die Gabe auch dann nicht erhöhen, falls die Pflanzen einen Teil ihres Blattwerks durch Frost eingebüsst haben! Sonst besteht die Gefahr, dass zu viel Energie in das vegetative Wachstum gesteckt wird.

Um die weitere N-Versorgung sicherzustellen, ist spätestens kurz vor dem Strecken die An- bzw. Abschlussgabe von weiteren 60 – 80 kg N/ha zu verabreichen.

Wie jedes Jahr ist bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung zu tragen. Auf Rrisikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) sind rund 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten dagegen reichen 20 - 40 kg S. Mehr sollte nicht eingesetzt werden (Auswaschung!). Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge in die erste Gabe fallen. Als Dünger empfehle ich Bor-Ammonsalpeter mit Schwefel (N26/S14). Damit wird auch gleichzeitig die erforderliche Bor-Versorgung sichergestellt. Kommen keine borhaltigen N/S-Dünger zum Einsatz, kann Bor auch in einem späteren Zeitpunkt mittels einer Borspritzung verabreicht werden. Noch bestehende Schwefeldefizite können im Zeitpunkt der Abschlussgabe entweder über Mineraldünger (Bor-Ammonsalpeter + S, Mg-Ammonsalpeter + S) oder über Gülle gedeckt werden.

Noch ein Wort zum Gülleeinsatz zu Vegetationsbeginn

Optimal ist der Gülleeinsatz bei Vegetationsbeginn in Grünland. Ebenfalls günstig ist der Einsatz in Wintergerste, -roggen und -triticale sowie in normal und früh gesäten Winterweizen. Gleiches gilt auch für Presswasser.
Weniger geeignet ist ein Gülleeinsatz aufgrund der N-Form und des geringen S-Gehaltes als Startgabe in Spätsaaten von Winterweizen sowie in Winterraps.
Um eine gute Verteilung sowie eine hohe N-Wirkung zu erzielen, sollte die Ausbringung - sofern machbar - mit einem Schleppschlauchverteiler erfolgen.
Achtung: In dieser Jahreszeit besteht immer noch grosse Gefahr für Gewässerverschmutzungen. Um diese Gefahr zu minimieren, ist zu Oberflächengewässern, Kanalisationen und Schutzzonen ein ausreichender Abstand einzuhalten.



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