Zuckerrüben – keine oder höchstens kleine Kopfgaben erforderlich

26.04.2011
Zuckerrüben im 6-Blattstadium - Zeit für die Kopfgabe

Zuckerrüben im 6-Blattstadium - Zeit für die Kopfgabe

Noch nie waren die Zuckerrüben so früh so weit entwickelt wie dieses Jahr. Somit stellt sich auch früher als üblich die Frage nach der richtigen Bemessung der Kopfgabe. Dank frühem Frühlingsstart und regenarmer Witterung seit Jahresbeginn werden in Zuckerrüben dieses Jahr erwartungsgemäss hohe Nmin-Werte gemessen. Der durchschnittliche Nmin-Gehalt in den 22 untersuchten Rübenfeldern unseres Beobachtungsnetzes lag letzte Woche bei rund 123 kg N/ha (0 - 60 cm) (Schwankungsbereich 63 – 215 kg N/ha). Da die Zuckerrüben aus logistischen Gründen (Osterfeiertage) bereits im 2-Blattstadium beprobt werden mussten, dürfte sich der Nmin-Gehalt bis zum Kopfgabetermin im 4-6 Blattstadium sicherlich um weitere 20 kg N/ha erhöhen. Somit dürfte der Nmin-Gehalt im Boden auf 140 - 150 kg N/ha ansteigen.
Aufgrund dieser Erkenntnisse sind in den meisten Fällen höchstens 20 - 30 kg N/ha als Kopfgabe erforderlich. Auf flachgründigen und steinigen Böden, die eine schlechtere N-Nachlieferung aufweisen, kann die Kopfgabe auf 50 kg N/ha erhöht werden. Wer regelmässig Hofdünger einsetzt oder über humusreiche Böden verfügt, kann dieses Jahr auf die Kopfgabe gänzlich verzichten. Sofern noch keine borhaltigen Grunddünger eingesetzt wurden, empfehle ich als Kopfdünger den Einsatz von Bor-Ammonsalpeter. Bei längeren Trockenphasen während der weiteren Kulturzeit kann es zu Engpässen in der Bor-Versorgung kommen. Um dem vorzubeugen, sollte Bor zusätzlich in flüssiger Form über das Blatt appliziert werden. Dazu eignen sich beispielsweise Solubor (3 kg/ha) oder Bortrac (2 l/ha). Um eine gute Wirkung zu erzielen, muss ausreichend Blattmasse vorhanden sein.

Getreide - N-Versorgung kurzfristig über Harnstoff-Spritzungen sicherstellen

Aufgrund der anhaltend trockenen Witterung leiden die Getreidebestände zunehmend stärker unter Stickstoffmangel. Auch wenn die Schossergabe termingerecht appliziert werden konnte, fehlte bis heute der nötige Regen, um die weitere N-Versorgung der Bestände sicher zu stellen. Die Wasserversorgung hingegen ist in den meisten Fällen noch weitgehend von unten her sichergestellt. Da bis auf weiteres keine nennenswerten Niederschläge angesagt sind, muss jetzt gehandelt werden, um Ertragseinbussen zu verhindern. Um die Stickstoffversorgung kurzfristig sicherzustellen, muss für einmal mehr der Weg über die Blattdüngung gewählt werden. Als N-Dünger eignet sich dazu einzig Harnstoff und zwar die geprillte (feine) Form! Aufgrund des fortgeschrittenen Entwicklungsstandes dürfen jetzt in Getreide höchstens 50 kg Harnstoff/ha und Gabe (= 23 kg N/ha) eingesetzt werden. Diese Menge deckt den aktuellen N-Bedarf für rund eine Woche, danach müsste eine erneute Harnstoffspritzung erfolgen. Wie man eine Harnstofflösung richtig herstellt, sehen Sie nachfolgend:

  • Spritzfass halb mit warmen Wasser füllen (200 - 250 l)
  • Rührwerk laufen lassen
  • Harnstoff allmählich zugeben, nicht direkt auf den Filter über der Ansaugöffnung
  • Mit normal temperiertem Wasser auf 400 - 500 l ergänzen

Die Harnstofflösung darf nur früh am Morgen oder besser am Abend ausgebracht werden, keinesfalls während der Mittagstunden im gleissendem Sonnenlicht. Zwecks besserer Pflanzenverträglichkeit sollte die Düngerlösung stets Umgebungstemperatur aufweisen. Aus den gleichen Gründen sollten der Düngerlösung derzeit keinerlei Pflanzenschutzmittel beigefügt werden. Vor Spritzbeginn ist das Rührwerk mind. 2 Minuten laufen zu lassen. Die Ausbringung selbst sollte mit einem möglichst niedrigen Druck erfolgen. Optimal sind 3 - 5 bar. Die Anwendungsempfehlungen sind unbedingt einzuhalten, ansonsten besteht die Gefahr von schwersten Blattverbrennungen.



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