Schlüsselübergabe auf dem Früebüel

25.06.2020
Bild: Alessandro Della Bella / AgroVet-Strickhof / ETH Zürich

Bild: Alessandro Della Bella / AgroVet-Strickhof / ETH Zürich

Der Umbau und die Erweiterungen der landwirtschaftlichen Forschungsstation Früebüel, Walchwil (ZG), konnten trotz des Lockdowns fast termingerecht abgeschlossen werden. Die Forschungskooperation AgroVet-Strickhof, die von der ETH Zürich, der Universität Zürich und dem Strickhof getragen wird, verfügt damit an ihren vier Standorten über moderne Forschungs- und Bildungsinfrastrukturen.

Erholungssuchende auf dem Zugerberg haben es schon gemerkt: Auf dem ehemaligen Gutsbetrieb Früebüel hat sich einiges getan. Die landwirtschaftliche Bildungs- und Forschungsplattform AgroVet-Strickhof hat in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich in den vergangenen zwei Jahren Stallungen, Betriebsgebäude und Gehege umgebaut und erweitert. Nun sind die Bauarbeiten, fast drei Jahre nach Erteilung der Baubewilligung durch den Kanton Zug, abgeschlossen.

Die neuen Einrichtungen auf dem Früebüel werden für die Forschung an Aufzuchtrindern, Mutterkühen, Schafen und Damwild genutzt. Bewirtschaftet wird der erweiterte AgroVet-Strickhof-Standort vom Kooperationspartner Strickhof. Das Früebüel bietet sich dabei aufgrund seiner Höhenlage auf 1000 m.ü.M an, um spezifische Fragestellungen im Zusammenhang mit Betrieben im Voralpen- und Berggebiet (Maiensäss) zu bearbeiten. Im Sommer ziehen die Tiere zur Sömmerung auf die Alp Weissenstein am Albulapass (GR), ebenfalls ein Forschungsstandort von AgroVet-Strickhof.

Forschen werden hier in erster Linie die Kooperationspartner von AgroVet-Strickhof, insbesondere die ETH-Professuren aus den Tierwissenschaften, der Pflanzenökologie und den Graslandwissenschaften. Letztere betreiben auf dem Früebüel seit 2005 eine Messstation, etwa um Stoffflüsse inklusive Treibhausgase von mittelintensiv genutztem Grünland zu erfassen.

Anlage erlaubt intensivere Forschung
«Wir freuen uns sehr, in dieser zeitgemässen und grosszügigen Anlage unsere Forschung weiterführen und ausbauen zu können», sagt Melissa Terranova, die seit 1. April 2020 Forschungsleiterin von AgroVet-Strickhof ist. «Die Anlage entspricht voll und ganz unseren Anforderungen, um die Nutztierforschung in der Schweiz voranzubringen.» Dank des Ausbaus des Standortes könne nun intensiver als bisher geforscht werden.

Auch Ulrich Weidmann, Vizepräsident für Infrastruktur der ETH Zürich freut sich über den Abschluss der Bauarbeiten. «Wir sind glücklich darüber, dass wir mit diesem anspruchsvollen Projekt das Ausbauprogramm für die Kooperation AgroVet-Strickhof erfolgreich abschliessen und auch den Betrieb dieses Standorts in die Hände der AgroVet-Strickhof-Verantwortlichen legen können».

Die Abteilung Immobilien der ETH war verantwortlich für die Planung und Umsetzung des Bauvorhabens. Die Planungs- und Baukosten betragen knapp 13 Mio. Franken.

Grosse Unterstützung durch Standortgemeinde und -kanton
«Ich möchte mich bei der Standortgemeinde Walchwil, der Regierung und der Verwaltung des Kantons Zug und den interessierten Verbänden für die gute Zusammenarbeit bedanken», sagt Weidmann weiter. «Ohne ihre grossartige Unterstützung hätten wir das Früebüel nicht auf den für Spitzenforschung nötigen Standard modernisieren können.»

Neue Gehege und modernisierte Labors
Der Grossteil der baulichen Massnahmen entfällt auf Um- und Erweiterungsbauten: Ein alter Stall wurde mit einem Laufstall für die Mutterkuhhaltung erweitert, der ehemalige Milchviehstall zu einem Schafstall umgebaut. Modernisiert und ausgebaut wurde insbesondere auch die Laborinfrastruktur, damit Forscherinnen und Forscher Probenmaterial direkt vor Ort bearbeiten und analysieren können. Neu gebaut wurden ein Winterunterstand für Damwild mit umfangreichen Gehegen sowie eine Remise mit dem Feuerwehrdepot Berg der Gemeinde Walchwil (ZG).

Ökologischer Ausgleich im Massstab eins zu eins
Die Fläche, welche die neuen Gehege einnehmen, wurde von der ETH Zürich auf dem Gelände des Früebüels mit ökologischen Aufwertungen ausgeglichen. So wurden unter anderem Wiesenflächen an feuchten Standorten extensiviert, neue Hecken gepflanzt sowie Kraut- und Wiesensäume angelegt. Aufgewertet und extensiviert wurden auch rund 300 Meter Waldrand. All diese Vernetzungselemente dienen als Verbindungskorridore für Wildtiere und umfassen eine Fläche von insgesamt 4,5 Hektar.

Forschungsschwerpunkt Nutztiere
«Der Forschungsschwerpunkt liegt klar bei den Nutztierwissenschaften und ihrem Platz in einer nachhaltigen, standortangepassten Landwirtschaft», erklärt Susanne Ulbrich, Professorin für Tierphysiologie an der ETH Zürich. Am Beispiel von Schafen der Rasse Schwarzbraunes Bergschaf und Mutterkühen der Rasse Schweizer Original Braunvieh untersuchen die Forschenden etwa, wie sich die Fütterung auf den Stoffwechsel der Tiere auswirkt.

Susanne Ulbrich selbst leitet eine Studie mit Rehen. Diese Huftiere werden nur selten in Gehegen gehalten und erforscht. Ulbrichs besonderes Interesse gilt der Keimruhe beim Reh, der sogenannten embryonalen Diapause. «Mehr Kenntnisse über diesen speziellen Vorgang sind bedeutend, um grundlegende Entwicklungsvorgänge bei Nutztieren zu verstehen», sagt die ETH-Professorin. «Wir untersuchen, was Embryonen für eine gesunde Entwicklung benötigen. Zudem suchen wir neue Kenngrössen, um gesunden Stress von solchem Stress unterscheiden zu können, der Tieren schadet». Nebst den physiologischen Studien werden die Forschenden auch Verhaltensstudien durchführen.

Alle Forschungsvorhaben mit Tieren werden unter Einhaltung strenger Tierschutzrichtlinien durchgeführt. Jedes Vorhaben muss zuvor durch das kantonale Veterinäramt bewilligt werden.

Einzigartiger Ansatz
Melissa Terranova betont, dass die Bildung und Forschung von AgroVet-Strickhof auf dem Früebüel von nationalem und internationalem Interesse sei. «Neben AgroVet-Strickhof gibt es in der Schweiz keine universitäre Bildung und Forschung, die direkt mit der Berufsbildung und der landwirtschaftlichen Praxis vernetzt ist. Diese Kooperation ist daher einzigartig und systemrelevant», sagt sie.



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