Kartoffel-Krautmasse gesund halten

11.06.2020

Das Gros der Kartoffelbestände gelangt in die Blüte oder ist am Blühen. Verbreitet konnte sich dank optimalen Temperaturen eine erfreulich grosse und gleichmässige Krautmasse bilden. Das Knollenwachstum geht nun zügig voran. Die Anfang April gepflanzten Felder sind im Vergleich zum langjährigen Mittel 1-2 Wochen im Vorsprung. Die jüngsten Niederschläge waren dringend nötig.

Krautfäule-Risiko steigend
Erfreulicherweise ist in der Ostschweiz erst ein Krautfäulebefall bekannt (www.phytopre.ch, Frauenfeld am 22. Mai). Anfang Juni wurden einige weitere Krautfäule-Primärherde aus dem westlichen Mittelland gemeldet. Dort muss der Druck als hoch betrachtet werden. Diese Tatsache, sowie die kontinuierliche Krautbefeuchtung durch die regelmässigen Niederschläge mahnen auch in der Ostschweiz zu verstärkter Aufmerksamkeit. Der Fungizidschutz ist unbedingt den Bedingungen angepasst, durch kürzere Intervalle (7-10 Tage) aufrecht zu halten.
Hat die Krautfäule in einem Kartoffelbestand einmal Fuss gefasst braucht es, sofern es das Wetter erlaubt radikale Gegenmassnahmen. 
Die wichtigsten Faktoren in der erfolgreichen Krautfäuleprävention sind Zeitpunkt der ersten Behandlung, Wirkstoffwahl und angepasster Behandlungsintervall. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass die Berufskollegen allfällige Befälle sofort melden.
Im Gegensatz zum Vorjahr sind die ersten Behandlungen in unserer Region sicher zum korrekten Zeitpunkt erfolgt. 

Korrekter Behandlungsintervall
Ist ein Kartoffelbestand in der Blüte – was aktuell das verbreitete Stadium ist - so haben die Pflanzen das Krautwachstum praktisch abgeschlossen. Die maximale Krautmasse ist in der Regel erreicht. Zwischen Feldaufgang und Blüte erfolgt das Krautwachstum zügig, vor allem in einem Jahr wie diesem. Wenige Tage nach einer Krautfäulebehandlung sind bereits wieder ungeschützte Blattäste herangewachsen. Solche können am effektivsten durch teilsystemische oder systemische Fungizidwirkstoffe geschützt werden, kombiniert mit einem kürzeren Behandlungsintervall von ca. 1 Woche.
Nach der Blüte können die Abstände zwischen den Krautfäule-Präventionsbehandlungen bis zu 2 Wochen ausgedehnt werden. Faktoren die nun für lange Abstände (bis 14 Tage) zwischen den Krautfäulebehandlungen sprechen sind: befallsfreie Region, trockene und heisse Witterung und geringe Sortenanfälligkeit. Demgegenüber sind die Spritzabstände auf bis zu 1 Woche zu verkürzen bei Befällen in der Region, anfälligen Sorten, dem Einsatz von Kontaktwirkstoffen mit geringer Regenfestigkeit sowie regelmässigen Niederschlägen oder Bewässerung im Feld.

Vereinzelt Schwarzbeinigkeit
Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren finden sich nur wenige Stauden mit Schwarzbeinigkeit, einem Symptom von Nassfäulebakterien. Vor allem betroffen bzw. anfällig ist die Sorte Agria.
Oberirdisch sichtbar sind welke Triebe oder zu Beginn nur Triebspitzen. Unter der Bodenoberfläche findet man braune, nassfaule Stängel. An der Bodenoberfläche entdeckt man nassfaule Stängel(Schwarzbeinigkeit) mit darunter vollständig zersetzter Pflanzknolle. Es handelt sich um Symptome von bakterieller Nassfäule. In der Praxis bekannt unter dem Sammelbegriff «Erwinia», hervorgerufen durch verschiedene Bakteriengruppen. Gefördert werden all diese Bakterien durch warme Temperaturen, Feuchtigkeit und Sauerstoffmangel. Übertragen werden die Bakterien über Pflanzgut und/oder Überdauern im Boden. Vermehrt trockene Bodenverhältnisse und bis jetzt moderate Bodentemperaturen wirkten der Bakterienvermehrung entgegen.
Eine direkte Bekämpfung dieser bakteriellen Fäulnis im Feld ist nicht möglich. Allfällig akut infizierte Stauden (Schwarzbeinigkeit) sind in der Regel bis zur Ernte komplett verfault. Die nur schwach infizierten Stauden werden teilweise überdauern. Eine Infektion der neuen Knollengeneration findet nur in seltenen Fällen statt. Bei aktuell befallenen Feldern empfiehlt es sich zum Zeitpunkt der ersten Probegrabung noch mal genau auf Nassfäule zu achten um gegebenenfalls den Posten über den Frischverkauf zu vermarkten und nicht als Lagerware

Kartoffelkäferlarven
Im Laufe der letzten zwei Wochen sind vielerorts die Kartoffelkäferlarven nun geschlüpft, haben rasch an Grösse zugelegt und feldspezifisch die Bekämpfungsschwelle von 1-2 Herden je Are überschritten.
Bei der Bekämpfung der Larven der Kartoffelkäfer mit Audienz muss berücksichtigt werden, dass dieses Mittel natürlicher Herkunft nur eine kurze Wirkungsdauer (Tage) auf Adulte und Larven, aber keine Eierwirkung aufweist. Eine Behandlung mit Audienz darf daher erst erfolgen, wenn alle Larven aus den Eigelegen geschlüpft sind.

Blattläuse
Seit beinahe vier Wochen finden sich verbreitet Blattläuse auch in den Kartoffelfeldern. Bei Lagerkartoffel-Beständen können Blattlauskolonien das Kraut empfindlich schwächen, bis hin zu Verursachung einer frühzeitigen Abreife des Krautes (z.B. bei Lady Claire) führen. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei > 10 Läusen je Fiederblatt. Treten Blattläuse über dieser Schwelle auf, kann Teppeki, Plenum WG oder Movento SC mit sehr guter Wirkung ausschliesslich gegen Blattläuse eingesetzt werden. Diese Mittel können ab Erreichung der Bekämpfungsschwelle ohne Sonderbewilligung eingesetzt werden, weil sie sehr nützlingsschonend sind.

Beim Einsatz von Audienz oder auch von Teppeki ist der Schutz der Bienen bzw. der Hummeln ((in Kartoffeln halten sich praktisch nur Hummeln auf)) unbedingt zu beachten. Eine Behandlung blühender Kartoffeln mit diesen zwei Produkten, dürfte nur ohne Hummelbeobachtung im Feld durchgeführt werden.

Treten Kartoffelkäfer und Blattläuse gemeinsam, deutlich über der Bekämpfungsschwelle auf, wäre eine Behandlung mit Biscaya oder Gazelle SG /Oryx Pro möglich. Diese Produkte weisen aber die stärksten negativen Auswirkungen auf andere Insekten wie Laufkäfer oder Blattwanzen auf. Deshalb sind diese Mittel sonderbewilligungspflichtig.

«Alternaria»

Im Gegensatz zur Krautfäule ist Alternaria solani ein Schwächeparasit der gegen Ende des Krautwachstums sichtbar wird. Trockenheit und Hitze beschleunigen dessen Entwicklung. Das Auftreten von Alternaria ist verbreitet, ein Schaden aber weit geringer als bei der Krautfäule. Alternaria kann zu Minderertrag führen, jedoch nicht zu mengenmässig oder qualitativ einschneidenden Ausfällen. Relevant betroffen sind praktisch nur spätere Sorten mit längerer Wachstumszeit. Trotzdem muss auch Alternaria präventiv behandelt werden. Bei anfälligen Sorten empfiehlt sich über die gesamte Krautfäule-Behandlungszeit Einsatz von Wirkstoffen mit Alternariawirkung, mit zweiwöchigem Abstand und abwechselndem Wirkstoffeinsatz zur Resistenzvorbeugung.

 



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