Pflanzenschutz aktuell Feldbau 10. Juni

11.06.2020

Noch mehr Schädlinge

Hätten wir in Zuckerrüben keine Insektizide angewendet, wäre weit mehr als die Hälfte der Rübenfläche zerstört worden. Drahtwurmschäden im Mais nach Wiese nehmen zu. Trichogramma kommen bereits nächste Woche. Im Getreide sieht man jetzt Problemunkräuter. Kartoffeln mit Fungizid schützen und Käfer und Blattläuse auszählen.

Zuckerrüben

Totalschaden?
In den Zuckerrüben schädigten beim Auflaufen die Erdflöhe die Keimpflanzen. Später konnte dank dem Einsatz eines alten, bekannten Insektizides (Wirkstoff Pirimicarb) schweizweit das Unterpflügen von weit mehr als einem Drittel der Zuckerrübenfläche verhindert werden. Der Wirkstoff war dieses Jahr so gefragt wie noch nie. Mittlerweile ist er in der Schweiz nicht mehr erhältlich. Ein kleiner Posten kommt Mitte Juli wieder in die Schweiz, weil in anderen Kulturen Blattläuse auch Probleme verursachen. Bei unseren Nachbarländern sieht die Situation bei den Blattläusen identisch aus. Katastrophal. Das ist auch der Grund, weshalb Pirimicarb-Importe aus anderen Ländern nicht möglich sind. Es hat kein Pirimicarb mehr.
Das massenhafte Auftreten der Blattläuse in vielen Kulturen hat nichts mit intensiver Landwirtschaft zu tun, nein! Es ist einzig die Folge von besten klimatischen Bedingungen im April, die die Population der Blattläuse explodieren liess. Pirimicarb ist nützlingsschonend, deshalb sehen wir in den Zuckerrüben jetzt auch viele Marienkäfer- oder Schlupfwespen-Larven, die ein erneuter Lausbefall nun auf natürliche Art kontrollieren.
Da Pirimicarb nicht mehr verfügbar ist, soll bei Bedarf das Mittel unter Berufskollegen ausgetauscht werden, oder man arbeitet mit reduzierter Aufwandmenge von 100 bis 150g anstelle der 250g je Hektare (bei Temperaturen über 15°).
Wer REB-Zuckerrüben (Ressourceneffizienz-Beiträge) angemeldet hat, darf keine Insektizide und Herbizide einsetzen, die auf der Liste 9.1 (Mittelheft Seite 114) des Aktionsplanes gelistet sind. Im Mittelheft in der Rübeninsektizid-Tabelle (Seite 24) und bei den Herbiziden (Seite 92-93) sind solche Produkte mit kleinem «v» in einem Kreis markiert. Venzar, Betanal maxxPro, Talstar, Karate, TAK, Fastac Perlen und Pirimor sind Beispiele dazu. Bei IP-Suisse Rüben dürfen keine Insektizide eingesetzt werden. Das ist im Mittelheft auch aufgeführt. Die Ressourceneffizienz Beiträge (REB Zuckerrüben) muss man abmelden, wenn Pirimor oder andere Mittel mit diesem Zeichen (siehe Bilder, Ausschnitt aus dem Mittelheft 2020) eingesetzt werden mussten.

Mais

Drahtwurmschäden nehmen stark zu
Seit dem Verlust der Insektizid-Beizung gibt es eine Zunahme der Schäden durch Bodenschädlinge im Mais. Dieses Jahr sehen wir vermehrt Fritfliegenbefall an den Pflanzen und Drahtwurm-Schäden auf Schlägen mit der Vorfrucht Wiese. Das Beizmittel Mesurol hat eine Teilwirkung gegen Fritfliegenbefall. Ab nächstem Jahr ist die Mesurol-Saatgutbeizung aber auch verboten. Was können wir künftig gegen einen Drahtwurmbefall im Mais unternehmen? Vielleicht wäre eine Unterfussdüngung mit Kalkstickstoff eine Variante oder das Ausbringen von Hefekapseln mit einem natürlichen Pilz wie bei den Engerlingen. Beizmittel oder andere Pflanzenschutzmittel sind gegen Drahtwürmer im Mais keine bewilligt und auf die Kunstwiese, auch wenn man weiss, dass sie den Befall fördert, kann in einer guten Fruchtfolge nicht verzichtet werden.

«Trichogrammas» kommen schon nächste Woche
Die Larven der Maiszünsler, die sich immer noch in den Maisstängeln befinden, beginnen sich nun zu verpuppen. Dieser Vorgang wird bei erreichter Temperatursumme eingeleitet. Das ist dieses Jahr früher. Viele Maispflanzen sind noch klein, das Aufhängen der Kärtchen wird mehr Zeit in Anspruch nehmen. Für die Ausbringung mit der Drohne hat dies keine Auswirkung. Erste Eiablagen der Maiszünsler werden, wegen dem warmen Wetter im April, bald erwartet. Darum wird nächste Woche die erste Tranche Trichogramma-Schlupfwespen geliefert.

Getreide

Problemunkräuter
Ab und zu sieht man von weitem hellere Blätter den Weizen überragen. Bei näherer Betrachtung findet man Ackerwinden, Blacken, Disteln, Klebern oder Rüben aus dem letzten Jahr, die nun in die Höhe schiessen und blühen möchten. Gegen Ackerwinden und Disteln kann eine Stoppelbehandlung mit Kyleo durchgeführt werden. Blacken werden von Hand abgeschnitten und schossende Rüben müssen sofort ausgerissen und aus dem Feld gebracht werden. Versamende Rüben, sogenannte Schosser, sind ein No-Go.

Kartoffeln

Krautfäule, Alternaria
Die Krautfäule Befälle häufen sich im Mittelland/Seeland. Aus dem Kanton Zürich wurde noch kein Befall gemeldet. Melden Sie Befallsverdacht unbedingt. Arbeiten Sie mit kurzen Intervallen um den Fungizidschutz aufrecht zu halten.

Käfer und Blattläuse
Die Kartoffelkäfer-Larven sind nun auf tiefem Niveau aktiv. Die BKS (Bekämpfungsschwelle) bei Blattläusen muss jetzt gut überprüft werden. Sie ist überschritten, wenn 1 Laus je Einzelblatt im Durchschnitt ausgezählt wird. 100 Blätter zählen. Unsere nördlichen Nachbarn arbeiten mit 5 Blattläusen pro Einzelblatt. Wenn etwas gegen Läuse unternommen wird, hat es meist deutlich mehr als 1 bzw. 5 Läuse je Einzelblatt. Die Bekämpfung der Läuse wirkt auch einem Befall durch Alternaria entgegen, weil die Pflanzen weniger gestresst sind.
Welches Mittel nun auf die im Feld vorliegende Situation passt, muss im Einzelfall entschieden werden. Nur Blattläuse bekämpfen ohne Kartoffelkäfer kann man ohne Sonderbewilligung (Sobew.) mit einem Blattlausmittel (Teppeki, Plenum WG oder Movento SC). Nur Käfer kann man mit Audienz oder mit Coragen (dieses mit Sonderbewilligung) bekämpfen. Treten Blattläuse und Kartoffelkäfer deutlich über der BKS, gemeinsam auf, kann mit einer Sonderbewilligung Biscaya, Gazelle SG oder Oryx Pro angewendet werden.

Mehr Informationen finden Sie im Kartoffelbau-Aktuell KW 24/2020

Ackerbohnen

Schäden durch Blattläuse
Dieselben schwarzen Blattläuse, die in den Zuckerrüben Schäden verursachten, waren auch in Massen in Ackerbohnenfelder eingeflogen und verursachten auch hier Schäden. Jetzt, nachdem sich die Nützlinge etabliert haben, finden wir auch in Ackerbohnen viele Marienkäferlarven.

Autoren: Markus Hochstrasser, Fiona Cimei, Georg Feichtinger



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