Wildbienen in den Obstanlagen am Strickhof

22.05.2020
Im Hintergrund ist eine der beiden blauen Niststände mit Mauerbienen zu erkennen, die zur Eigenvermehrung am Strickhof platziert worden sind.

Im Hintergrund ist eine der beiden blauen Niststände mit Mauerbienen zu erkennen, die zur Eigenvermehrung am Strickhof platziert worden sind.

Um die Bestäubung der Obstbäume am Strickhof zu unterstützen, werden seit einigen Jahren zusätzlich zu Honigbienen und Hummeln auch Mauerbienen eingesetzt.

Seit einigen Jahren ist der Strickhof in Kontakt mit der Firma Pollinature aus Zürich, die heimische Mauerbienen zur Bestäubung von Obst- und Beerenkulturen anbietet. Mauerbienen sind bekannt dafür, dass sie sich bei ihren Flügen von Wind, Regen und Kälte wenig abhalten lassen. Bei Sonnenschein sind sie schon ab 4 Grad unterwegs, wenn es den Honigbienen noch zu kalt ist. Pollinature konnte die Obstanlage am Strickhof schon mehrere Male nutzen, um Versuche mit Wildbienen durchzuführen. «Als Ausbildungs- und Versuchsbetrieb wollen wir Versuche unterstützen, die unserer Meinung nach Sinn machen und die auch von unserem Interesse sind», begründet David Szalatnay von der Fachstelle Obstbau am Strickhof diese Versuchstätigkeit der externen Firma. In den letzten drei Jahren hat Pollinature beispielsweise untersucht, wie sich der Einsatz von Mauerbienen auf die Erträge und Qualität von Kirschen und Äpfeln auswirkt. Diesen Frühling konnte die Firma in der Strickhof Obstanlage zwei grosse Niststände zur Eigenvermehrung ihrer Mauerbienen anbringen. Im Herbst werden die jungen Bienen in ihren Kokons von Pollinature zurückgeholt und eingewintert.

Genügend Wärme nötig

Zur Unterstützung der Befruchtung in den Obstanlagen vom Strickhof setzt Andreas Klöppel, Betriebsleiter Obstbau am Strickhof, verschiedene Hilfsmittel ein, um damit Erfahrungen zu sammeln. Dieses Jahr waren es Hummelvölker – ebenfalls eine Art von Wildbienen - , andere Jahre setzte er auch Mauerbienen ein. Die Aprikosenbäume unter dem Folientunnel beginnen jeweils sehr früh im Jahr zu blühen, wenn noch wenig anderes Futter für Wildbienen vorhanden ist. «Die Aprikosenblüten werden deshalb sehr gut besucht, von den eingesetzten Wildbienen, aber auch von den natürlich vorkommenden Wildbienen und bei genügend Wärme auch von den Honigbienen», hat Andreas Klöppel die Erfahrung gemacht. Obwohl für die Bestäubung bei diesen früh blühenden Bäumen auch bei tiefen Temperaturen gesorgt ist, sind die Früchte nicht garantiert: Nach der Bestäubung muss es trotzdem genügend warm sein, damit in der Blüte der Pollenschlauch bis in den Fruchtknoten hinunter wachsen und dort die Befruchtung stattfinden kann. David Szalatnay bedenkt deshalb, dass der Einsatz von Wildbienen für die Bestäubung zwar hilfreich ist, die Temperaturen aber trotzdem genügend hoch sein müssen, - von Frost ganz abgesehen - , damit genügend Früchte heranwachsen können.

Fördern seltener Wildbienenarten

Bei der Gehörnten Mauerbiene und der Roten Mauerbiene handelt es sich um die am häufigsten vorkommenden Wildbienenarten, die bezüglich Nahrung und Nistmöglichkeiten wenig wählerisch sind. Von den anderen zirka 600 Wildbienenarten in der Schweiz sind viele sehr spezialisiert, sowohl was die Nahrung, als auch was die Nistmöglichkeiten und Lebensräume anbelangt. «Viele dieser Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht», sagt Barbara Stäheli, am Strickhof in Unterricht und Beratung für den Bereich Biodiversität zuständig. Diese Wildbienenarten können im eigenen Garten oder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb geschützt und gefördert werden, indem ihnen natürliche Niststätten geboten werden, wie zum Beispiel Totholzstapel, Nistwände, Felssteine, aber auch Kiesplätze und Plattenwege mit Fugen. Wichtig ist, dass den Bienen während der gesamten Vegetationsperiode Nahrung angeboten wird, indem Pflanzen mit verschiedenen Blühzeiten vorhanden sind. Wildstauden werden von den wilden Bienenarten besonders geschätzt.



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