In den Rebbergen zeigt sich das erste Grün

17.04.2020

Nach der Kaltphase im März sorgen die warmen Temperaturen jetzt für eine rasche Entwicklung der Reben. In frühen Lagen kann bei manchen Sorten bereits der Austrieb beobachtet werden. Mit dem Erscheinen der ersten Triebe beginnt eine intensive Zeit im Rebberg.

Die warme Witterung fördert die Entwicklung der Reben
Entscheidend für die Entwicklung der Reben sind vor allem der März und der April. Nachdem der März eher kühl war, zeigt sich der April bisher von der sonnigen Seite. Die mittlere Temperatur liegt sogar ähnlich hoch wie 2017. Trotzdem sind die Reben in der Entwicklung etwas hinter 2017 zurück.

Im Moment stehen die Reben kurz vor dem Austrieb, in warmen Lagen können bereits ausgetriebene Knospen gefunden werden. Mit den weiterhin warmen Temperaturen der nächsten Tage geht die Entwicklung der Reben rasch weiter. Von der momentanen Trockenheit sind die Reben noch nicht betroffen, ein ordentlicher Regen täte trotzdem gut (siehe Tabelle).

Frostschutz ist ein wichtiger Punkt
Die kalten Nächte in der zweiten Monatshälfte des März brachten auch in den Reblagen das Thermometer auf Werte von -3 bis -4 Grad Celsius. Schäden an den Knospen wurden aber nicht beobachtet, dafür waren die Reben noch nicht weit genug entwickelt. Die Gefahr ist allerdings noch nicht vorbei! Für Reben beginnt jetzt kritische Zeit, und sie dauert bis ca. Mitte Mai.

Zum Thema Frostschutz und Wirkung wurde in den letzten Jahren viel geschrieben und die meisten Winzer haben auch eigene Erfahrungen gemacht. Eine gute Möglichkeit besteht darin Frostruten stehen zu lassen. So kann in den meisten Fällen, selbst bei stärkeren Schäden, noch ein akzeptabler Ertrag sichergestellt werden. Dazu muss die Frostrute allerdings bis zum Ende der Frostgefahr stehen bleiben, wird zu früh geschnitten könnte die Mühe umsonst gewesen sein.

Zusätzlich können Begrünungen vor der Ankündigung von Frost gemulcht werden. Auf eine Bodenbearbeitung im Frühjahr sollte in gefährdeten Lagen verzichtet werden, diese bremst den Wärmenachschub des Bodens durch die entstehenden Luftpolster. Frostkerzen oder eine Frostversicherung sind weitere Möglichkeiten die genutzt werden können.

Welche Methode die sinnvollste ist hängt von den Zielen des Produzenten ab. Eine Frostversicherung kann wohl den Einkommensverlust decken, den Ertragsausfall und daraus entstehende Lieferprobleme aber nicht. Hier sind Frostrute und Frostkerze vielleicht die bessere Wahl.

Mit dem Austrieb beginnt auch der Pflanzenschutz
Spätestens jetzt ist es auch an der Zeit die Pflanzenschutzgeräte auszuwintern und bereit zu machen. Ein ordentlich eingestelltes und funktionstüchtiges Gerät ist Voraussetzung für einen guten Bekämpfungserfolg und die Einhaltung der richtigen Dosierung. Eine Anleitung zum Auslitern der Geräte und zur richtigen Dosierung finden Sie in den «Pflanzenschutzempfehlungen für den Rebbau» von Agroscope. Vor Beginn der Pflanzenschutzbehandlungen ist auch die persönliche Schutzausrüstung zu überprüfen und, wenn nötig, zu ergänzen oder zu ersetzen. Sorgen Sie auch dafür, dass ihre Mitarbeiter im Umgang mit der Schutzausrüstung geübt sind und die Vorschriften für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln kennen.

Mögliche Gefahr besteht vor und während des Austriebs durch Kräusel- und Pockenmilben, durch Erdraupen oder durch die Schwarzfleckenkrankheit. Kräusel- und Pockenmilben führen nur selten zu ernsthaften Schäden. Eine grössere Gefahr besteht vor allem in Junganlagen, wenn nach dem Austrieb die Entwicklung der Triebe nur zögerlich vorangeht. Wo Erdraupen auftreten können diese gut bei Dunkelheit, mit einer Stirnlampe, abgesammelt werden. Die Schwarzfleckenkrankheit tritt vor allem bei der Sorte Müller-Thurgau häufiger auf. In Anlagen mit den typischen Symptomen (weissliches Holz mit schiffchenförmigen Nekrosen) sollten ab «Grünpunktstadium» Behandlungen eingeplant werden. Welche Pflanzenschutzmittel für die Bekämpfung der oben genannten Schaderreger eingesetzt werden können, kann in der «Pflanzenschutzmittelliste für den Rebbau 2020» nachgelesen werden. Diese Liste ist auf www.agrometeo.ch (unter Weinbau) auch online verfügbar.

Ebenso wichtig wie der Pflanzenschutz selbst, ist auch die Pflege der Rebanlage. So ist es wichtig, dass die Reben nicht zu stark wachsen, Stickstoff sollte daher nur mit der notwendigen Vorsicht gedüngt werden. Und beim Erlesen kann mit dem Entfernen der untersten 1 – 2 Blätter bereits dafür gesorgt werden, dass die jungen Gescheine optimal mit Pflanzenschutzmitteln benetzt werden.

Das Coronavirus beeinflusst die Weinbranche
Wer Informationen bezüglich Coronavirus in der Landwirtschaft und speziell im Weinbau benötigt, bekommt diese bei den Branchenverbänden oder auf der Homepage des BLW unter der Rubrik «Nachhaltige Produktion/Produktionssicherheit/Neues Coronavirus».



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Michael Gölles

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Mirjam Blunschi

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