Start in die neue Rübensaison

02.04.2020

Bis am letzten Wochenende waren schätzungsweise 90% der Rüben im Boden. Der Aufgang dürfte sich anhand der Kälte etwas verzögern. – Mit dem Wegfall von Gaucho haben die Schädlinge ein leichteres Spiel, deshalb sind Feldkontrollen rechtzeitig nötig. Da diverse Unkräuter früher keimen als die Rüben, darf der 1. Herbizid-Split nicht verpasst werden.

Saatbett-Qualität
Inzwischen dürfte die Rübensaat im Osten weitgehend abgeschlossen sein. Nicht alle Landwirte kamen mit den für Sie neuen Bedingungen, Winter ohne Frosteinwirkung, gut zurecht! Die Bise führte dazu, dass zahlreiche Böden an der Oberfläche staubtrocken waren und in der Bearbeitungszone teigig. Die einen liessen die Böden nach der Frühjahrsgrundbodenbearbeitung zu stark austrocknen. Dies liess sich danach auch mit einem zweimaligen Kreiseleggen-Einsatz nicht mehr korrigieren. Fällt nach solchen Saaten nicht genügend Regen, ist es möglich, dass die Rüben erst einen Monat später auflaufen. Andere, die im Untergrund teigige Böden mit der Kreiselegge bearbeitet haben, werden beim Feldaufgang noch nichts Negatives feststellen. Das Resultat wird aber je nach Witterungsverlauf im Mai/Juni sichtbar werden! – Optisch werden sich die Rübenfelder in diesem Jahr bestimmt sehr unterschiedlich präsentieren.

Schädlinge
Der Schutz von Force gegen alle Bodenschädlinge ist gut. Da das Produkt aber nicht systemisch wirkt, werden Schädlinge, die übers Blatt angreifen (Erdfloh, Blattlaus, Rübenfliege), nicht erfasst. – Blattschädlinge müssen immer zufliegen! Entsprechend kann die Situation auch kurzfristig ändern, was eine Kontrolle auf jeder Teilparzelle alle 2-3 Tage empfiehlt. Die heikle Phase dauert bis zum 4-Blatt; bei Blattläusen sogar fast bis zum Reihenschluss. Ausser gegen Blattläuse (bewilligt ist nur Pirimicarb) braucht es vor jeder Insektizidspritzung eine kantonale Sonderbewilligung. Die dazu erforderlichen Bekämpfungsschwellen finden Sie u.a. im «Rübenpflanzer» der SFZ. – Vorbeugende Spritzungen sind weder bewilligt noch sinnvoll, denn die Produkte wirken nur eine kurze Zeit.

Rübenerdfloh. Das Schadenrisiko bei Rüben ist deutlich geringer als jenes beim Raps, verursacht durch den Rapserdfloh. Ein Grossteil des Schadens wird durch Herbizidverätzungen am angefressenen Blatt verursacht. Um solche Schäden zu verhindern, müsste das Insektizid 2-3 Tage zuvor appliziert werden, damit die Frassstellen vernarben können… Beim System Conviso Smart zeigen sich geringere Schäden, da das Herbizid auf den Rüben nicht brennt. Neben Rüben befällt der Rübenerdfloh besonders auch Knötericharten – beachten Sie auch dort allfällige Löcher.

Blattläuse. Ein sicheres Zeichen, dass diese im Feld sind, sind die besser erkennbaren Marienkäfer! Die Läuse sollten erkannt und bekämpft werden, bevor stark gekrauste Blattschäden auftreten. Gegen Blattläuse genügt auch eine deutliche Unterdosierung der Mittel (50 anstatt 250 g/ha) oder das bewusste Nichtspritzen von Teilflächen; z.B. Segment hinter dem Traktor. Dadurch verhungern die Nützlinge nicht und wandern auch nicht ab!

Erdschnaken. Bei einem Massenauftreten genügt das Insektizid in der Pille nicht und Sie müssen zum Erdschnakenköder greifen. Ein erhöhtes Risiko besteht generell, wenn als Vorkultur/Gründüngung eine Grasmischung stand.

Schnecken. Unerwartet stark können auch diese immer wieder auftreten. Wer noch keine Schneckenköder auf Testflächen angelegt hat, sollte dies jetzt umgehend tun. Warten Sie damit nicht zu bis die Rüben auflaufen! Achtung: Sluxx-Köder hinterlassen keine Schleimspuren und sind deshalb für Kontrollflächen nicht geeignet.

Unkrautbekämpfung
Normalerweise beginnt die Unkrautbekämpfung 2-3 Wochen nach der Rübensaat. Je früher damit begonnen wird, desto vielseitiger sind die Möglichkeiten und desto geringer können die Dosierungen der Kontaktherbizide gewählt werden. Beachten Sie, dass insbesondere bei trockenen Verhältnissen 4 Teilspritzungen oft deutlich bessere Resultate und weniger Schäden ergeben als 3 Behandlungen mit höheren Dosierungen.

Bei der 1. Behandlung ist auf leichten oder sauren Böden auf das Beimischen von Zusatzherbiziden wie Dual, Spectrum, Tanaris oder Venzar zu verzichten. – Kann bei den Bodenherbiziden eher nach einem fixen Schema vorgegangen werden, braucht es bei den Kontaktmitteln etwas mehr Fingerspitzengefühl. Zuschläge oder Abzüge von bis zu 50% der Basismenge können nötig sein. Dafür entscheidend sind neben der Unkrautgrösse auch die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Taubildung, Tageszeit, Strahlung, Wachsschicht und der Rübenzustand. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch die Anzahl Mischpartner und die Formulierung der Produkte. Weitere Angaben finden Sie auch in unserem «Rübenpflanzer» oder im Herbizidprogramm SFZ-LIZ-Herbizid auf unserer Homepage.

Normalerweise sind Herbizidsplits nach etwa 10 Tagen zu wiederholen. Je nach Wirkung kann dies aber auch einige Tage früher oder später sein. Ab dem 2. Split empfehlen wir bei Trockenheit und je nach Unkrautart, verstärkt auf das Kontakt-Ergänzungsmittel Debut oder Lontrel zu setzen.

Haben Sie sich für die Sorte Smart Belamia entschieden, soll der erste Split mit Conviso One nicht zu früh erfolgen. Das 2-4 Blatt der Melde ist optimal, die anderen Unkräuter spielen eine untergeordnete Rolle. Insbesondere bei Trockenheit oder geringer Luftfeuchtigkeit sehen wir immer den Doppelsplit mit einem Herbizid-Öl-Zusatz (Mero) vor. Bei grösseren Melden sollte die volle Dosis von 1 l/ha aufs Mal gespritzt werden. – Ab und zu zeigte Conviso One im Vorjahr etwas Schwächen gegen Borsten- und Bluthirsen. Da diese Ungräser aber primär am Feldrand auftreten, empfehlen wir eine allenfalls separate Gräser-Teilflächen-Behandlung mit einem spezifischen Gräsermittel.

Haben Sie schon im Vorjahr auf dieses Anbausystem gesetzt, empfehlen wir ihnen dringend nochmals einen Blick aufs alte Rübenfeld zu werfen. Allfällige Durchwuchsrüben dürfen keine Schosser bilden! Bekämpfungsvarianten finden Sie im vor wenigen Tagen erschienenen «Rübenpflanzer».



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Luzi Schneider

Schweiz. Fachstelle für ZuckerrübenanbauTelefon:+41 58 105 98 78E-Mail:Infos zur Person