Hitzige Diskussionen

26.02.2020
v.l. Moderatorin Fausta Borsani, Franziska Herren, Roger Gündel, Hans Frei, Robert Finger und Mike Egger. Bild: Strickhof

v.l. Moderatorin Fausta Borsani, Franziska Herren, Roger Gündel, Hans Frei, Robert Finger und Mike Egger. Bild: Strickhof

Die angehenden Agrotechniker lockten mit ihrer Podiumsdiskussion über die Trinkwasserinitiative mehr als 300 Besucherinnen und Besucher an den Strickhof.

Mit einem solch grossen Aufmarsch hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Die drei angehenden Agrotechniker Mary-Jane Fehr, Dario Marangio und Julius Jordi konnten im Rahmen ihres Projektes über 300 Besucherinnen und Besucher für den Besuch der Podiumsdiskussion im Forum von AgroVet-Strickhof begrüssen. Für die Studierenden bot der Anlass eine Plattform, um ein Projekt real und praxisbezogen durchzuführen. «Sie lernen so den Umgang mit Anspruchsgruppen, von denen es bezogen auf die Landwirtschaft immer mehr gibt», sagte Matthias Zürcher, Leiter der Höheren Berufsbildung, einleitend. Dabei sei es wichtig, diese Ansprüche zu verstehen und darauf eingehen zu können.

Systemwechsel gefordert

Das Eröffnungsreferat bestritt Robert Finger, Professor für Agrarökonomie und -politik an der ETH Zürich. Er sagte, dass ohne Pflanzenschutz die Produktionseinbussen massiv wären. Wobei Pflanzenschutz nicht immer Pflanzenschutzmittel bedeuten müsse. Pflanzenschutz sei essentiell und werde immer wichtiger – beispielsweise wegen höherem Schädlingsdruck, ausgelöst durch den Klimawandel – aber es brauche Anpassungen in der Umweltwirkung. Deshalb sei ein umfassender Systemwechsel nötig, eine neue Agrarpolitik oder vielmehr Ernährungspolitik müsse geschaffen werden, mit beispielsweise Lenkungsabgaben für Pflanzenschutzmittel.

Weniger verschwenden

Ebenfalls durfte Initiantin Franziska Herren vorgängig an das Rednerpult. «Mit der heutigen Lebensmittelproduktion können wir unsere Gewässerschutzgesetze nicht einhalten und die Umweltziele nicht erreichen», ist sie überzeugt. Sie ist der Meinung, dass die Schuld nicht bei den Bauern liege, sondern in erster Linie bei der Agrarpolitik. «Könnte die Welt mit Bio ernährt werden?» Franziska Herren glaubt, wenn Ackerfläche für die menschliche Nahrung bestellt würde und weniger Lebensmittel verschwendet würden, könnten diese Ertragseinbussen aufgefangen werden.

Alle müssen handeln

Am Podium diskutierten neben Franziska Herren und Robert Finger der Bio-Landwirt Roger Gündel, der Zürcher Bauernverbandspräsident Hans Frei und der SVP-Nationalrat Mike Egger. Hans Frei machte darauf aufmerksam, dass man auch die Spuren, die unsere Gesellschaft hinterlässt, betrachten müsse. Die Landwirtschaft würde versuchen, ihren Teil zur Lösung beizutragen, aber es gebe andere Bereiche, wo nichts unternommen wird. In die gleiche Richtung argumentierte Mike Egger. Er machte auf die Fortschritte und Bemühungen die Schweizer Landwirtschaft für eine ökologischere Nahrungsmittelproduktion aufmerksam, insbesondere mit der Reduktion von Pestiziden und Antibiotika. Biolandwirt Roger Gündel sagte, dass die Probleme mit der Trinkwasserqualität und der Biodiversität nicht verleugnet werden dürften. Seiner Meinung nach bedarf es einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Produzenten, den Verarbeitern, dem Handel und den Konsumenten.

Verhältnismässigkeit angezweifelt

Anschliessend wurde das Podium geöffnet und das Publikum konnte Fragen an die Podiumsteilnehmer stellen. Die Stimmung wurde sehr emotional und den Initiativ-Befürwortern blies

ein rauer Wind entgegen. Insbesondere die Verhältnismässigkeit der Trinkwassereinträge im Vergleich zu vielen anderen Ländern wurden in Frage gestellt und auch, was die kleine Schweiz mit einer solchen radikalen Initiative zum Schutz des ganzen Planeten beitragen könne.

Der anschliessende Apéro wurde rege genutzt, um mit der Initiantin und den anderen Podiumsteilnehmern ins Gespräch zu kommen. Das Projektziel der Agrotechniker, ein interessantes Podium mit interessanten Gesprächen zu organisieren, konnte auf jeden Fall erreicht werden.



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