Toleranz und genaue Zahlen

27.01.2020

«Gemeinsam profitieren!» - unter diesem Motto lud der Strickhof zum jährlichen Milchtag in Lindau ein. Es zeigte sich, dass auch bei einer Zusammenarbeit den Kosten grösste Beachtung geschenkt werden muss.

Zusammenarbeit bringt viele Vorteile, so lautete der allgemeine Tenor am Strickhof-Milchtag vom letzten Freitag. Wie die verschiedenen Vorteile zu Nutze gemacht werden können, zeigten die Referenten in ihren Präsentationen auf. Doch Zusammenarbeit birgt auch Herausforderungen, allen voran müssen die Beteiligten einander eine gewisse Grosszügigkeit und Toleranz gewähren, sei es in der Art und Weise wie eine Arbeit ausgeführt wird oder in der Abrechnung von Kosten und Erlös.

Arbeitsfalle analysieren

Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof, thematisierte in seinem Referat über die «arbeitswirtschaftlichen Vor- und Nachteile bei der Zusammenarbeit» das in der Landwirtschaft häufig erkennbare Hamsterrad. Statistiken zeigen, dass Landwirte mit eigenem Betrieb signifikant mehr arbeiten als andere selbstständige Erwerbstätige. Da die Bäuerin meist ebenfalls in einem Hamsterrad spult, kommen einige Dinge zu kurz und ganz gewiss die Partnerschaft. Wie entkommen der Bauer und die Bäuerin dieser Arbeitsfalle? Schick empfiehlt, die grössten Zeitfresser zu analysieren und dann zu eliminieren. Dies kann über verbesserte Mechanisierung aber auch eine verstärkte Zusammenarbeit erfolgen. Dazu gehört auch, die anfallenden Tätigkeiten genau zu planen und verstärkt mit kurz- und langfristigen Zielen zu arbeiten.

Verschiedene Zusammenarbeitsformen

Ueli Straub von der Agridea zeigte verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft auf und wie diese abgerechnet werden können. Wenn die Betriebsstruktur vergrössert, das Einkommen verbessert werden oder einfach mehr Zeit für die Familie übrigbleiben soll, kann eine Zusammenarbeit eine sinnvolle Lösung sein. Wobei diese Zusammenarbeit von einfachen Varianten wie einem Aufzuchtvertrag oder einer Maschinenmiete bis hin zu komplexen Kooperationen wie beispielsweise einer Silogemeinschaft oder gar einer Betriebsgemeinschaft reichen kann.

Kosten kennen!

Für Christian Gazzarin von der Agroscope ist es zwingend notwendig, die Kosten und Einkünfte des eigenen Betriebs zu kennen. «Viele Landwirte kennen ihre Kosten nicht!» hat er die Erfahrung gemacht. Nur mit genauen Zahlen könne eruiert werden, ob eine Zusammenarbeit die gewollten Vorteile bringen kann. Gazzarin zeigte auf, dass die Fixkosten bei einer Zusammenarbeit häufig wie erwartet sinken, hingegen oftmals grössere Maschinen nötig sind, die diese Einsparungen wieder zunichtemachen. Gazzarin machte auf das Berechnungsprogramm Agriperform (www.agriperform.ch) aufmerksam, womit man in weniger als zwei Stunden die betriebswirtschaftlich relevanten Daten für den Gesamtbetrieb und die einzelnen Betriebszweige berechnen kann.

Einblick in die Praxis

Der Milchtag, organisiert von Matthias Schick und Josias Meili, zeigte auch Einblick in die Praxis: Stefan Ramp aus Gundetswil präsentierte die von einem Lernenden der Höheren Fachschule berechneten Zahlen seiner Fütterungsgemeinschaft, Tierarzt Peter Zieger zeigte die optimale Beschaffenheit von Milchviehfutter und eine Landwirtin aus Deutschland und ein Landwirt aus dem Kanton Bern stellten ihre Betriebe vor.



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