Zuckerrübenanbau 2020

21.11.2019

Geht es im nächsten Jahr beim Zuckergehalt ähnlich positiv weiter, wie in diesem Jahr bei der Blattgesundheit, dürfen wir auf ein gutes Jahr hoffen. Und plötzlich steigt das Interesse an den Rüben wieder stark an.

Zuckerrüben ja oder nein
Es gibt immer mehrere Gründe wieso man einer Kultur den Rücken zuwenden möchte oder weiterhin dafür einsteht. – Jede Pflanze kennt optimale Bedingungen für maximale Erträge. Würde man diese im Voraus kennen, würde vermutlich jeder seine Fruchtfolge entsprechend jährlich anpassen. Der Landwirt ist aber gewohnt mit solchen Herausforderungen umzugehen. Die Rübe als zweijährige Kultur (die Samenreife wird erst im 2. Jahr erreicht) kann generell besser mit ungünstigen Bedingungen umgehen als eine einjährige Pflanzenart. – Dank tiefer Durchwurzelung werden verlagerte Nährstoffe erreicht, die für viele andere Nutzpflanzen zu weit weg sind. – Die gute Durchwurzelung der Böden hilft den nachfolgenden Kulturen. – Jede zusätzliche Pflanzenart verändert die Unkrautpopulation, was in Zeiten mit Resistenzen wichtig ist. – Mit entsprechender Pflege lassen sich nach wie vor überdurchschnittlich Deckungsbeiträge erreichen. – Als zusätzliche Kultur können die Rüben die LQ-Beiträge des Betriebes massiv verbessern. – Und nicht unerheblich: wir haben eine Industrie, die alle gewachsenen Rüben verarbeiten kann. Schliessen dort die Tore, werden sie nie mehr geöffnet und der Rübenanbau in der Schweiz ist weg und wird wohl nie mehr zurückkehren.

Sortenwahl
Vorab gilt -  alle Sorten auf unserer bewusst kurzen Liste sind gut! Jede hat aber Vor- und Nachteile, die je nach Betrieb anders gewichtet werden müssen. Bei der Wahl der Sorte sollte somit nicht nur der Brutto-Gelderlös beachtet werden. – Jeder Betriebsleiter sollte sich vorab die Frage stellen, bei welchem Punkt des Rübenanbaus auf seinem Betrieb am ehesten noch wirtschaftliche Optimierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Lässt sich dies direkt oder indirekt über eine Sorte lösen oder nicht, ist dann die Folgefrage. Je nach persönlichen Kriterien (Wurzelkrankheiten, Schädlingen, Blattgesundheit, Transport, REB-Programm des Bundes, Pflanzenschutz im Lohn…) kann die eigene Sortenreihenfolge und damit der wichtigere Netto-Gelderlös anders aussehen.

In diesem Jahr schaffte es eine leistungsstarke Neuzüchtung von Betaseed, BTS 2860, als Standardsorte auf unsere Verkaufsliste. Als ausgeglichener Sortentyp ersetzt sie Masaï, die nicht mehr angeboten wird. Auf der Liste bleiben die ertragsbetonte SAMUELA und die süsserere STRAUSS.

Anbausystem Conviso Smart
Im ersten Anbaujahr stand auf rund jedem siebten Rübenfeld SMART BELAMIA. Auch 2020 wird diese Sorte die einzige Züchtung für dieses Anbausystem sein. In unseren Exakt-Sortenversuchen erreichte sie wiederum ähnliche Resultate wie in den Vorjahren. Beim Bruttogelderlös lag sie nur rund 5% unter jenem der Vergleichsorte Samuela. Der diskussionslose Vorteil bei der Unkrautbekämpfung und die überragende Blattgesundheit durften praktisch alle Landwirte, die 2019 dieses System wählten, ebenfalls feststellen.

Zur echten Herausforderung dieses Anbausystems dürfte aber vielmehr werden, dass liegengebliebene Sulfonylharnstoff-resistenten Rüben in der Folgekultur nicht weiterwachsen, schossen und absamen können. Es besteht deswegen kein Grund zur Panik, aber Vorsicht ist geboten und man ist gut beraten, diesem Risiko mit der nötigen Umsicht zu begegnen. Massnahmen dazu listen wir im nächsten «Rübenpflanzer I/20» detailliert auf.

Spezialsorten
Bei den Spezialsorten gibt es gegenüber dem Vorjahr einige Änderungen:
TESLA von STRUBE ist eine überaus blattgesunde Sorte, vergleichbar mit Smart Belamia. Tesla liegt bezüglich Zuckergehalt und Ertrag auf dem Niveau von Strauss, hat aber erst 2 Prüfjahre hinter sich. Diese Sorte eignet sich analog zu Smart Belamia für Standorte mit hohem Cerco-Druck, bei reduziertem Fungizideinsatz und besonders beim bundesgestützen fungizid-/insektizidlosen REB-Programm.
Auf Standorten mit zu erwartender späten Rübenfäule (Rhizoctonia) hilft die neue Sorte RHINEMA weiter. Sie ist etwas süsser und blattgesünder als die bisherige TIMUR. Unter Nichtbefall erreicht aber auch sie das Niveau der Standardsorten nicht. Das Analoge gilt bei der Heterodera-toleranten BTS 440, die hauptsächlich von Gemüsebaubetrieben gewählt wird.
Glücklicherweise ist die SBR-Vergilbung in der Ostschweiz (gilt für alle, die Rüben nach Frauenfeld liefern) bis jetzt kein Problem. Somit sollen hier auch keine Spezialsorten mit SBR-Toleranz gewählt werden.

SVZ-Regionalversammlungen
Nächstens finden abends um 20 Uhr 4 Zuckerrüben-Veranstaltungen in der Ostschweiz statt. Die aktuellen Themen sind u.a. Transport der Rüben – Situation in der Fabrik – politisches Umfeld – fachliches aus dem Rübenfeld. Zu diesen Veranstaltungen sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

  • Mo. 2.12. Hendschiken
  • Di. 3.12. Schaffhausen
  • Mi. 11.12. Felben
  • Do. 12.12. Wülflingen

 



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Andreas Bertschi

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