Besuch aus den USA

11.11.2019
Ueli Voegeli, Debbie und Hellmuth Steinlin, Walter Steiger und Hanspeter Renfer. (v.l.)

Ueli Voegeli, Debbie und Hellmuth Steinlin, Walter Steiger und Hanspeter Renfer. (v.l.)

Nach 66 Jahren wieder am Strickhof: Hellmuth Steinlin absolvierte von 1951 bis 1953 am Strickhof eine landwirtschaftliche Ausbildung – und wanderte danach nach Nordamerika aus. Letzte Woche hat er den Strickhof zum ersten Mal wieder besucht.

«Dorthin möchte ich», sagte Hellmuth Steinlin zu seinen Eltern, als er ein Inserat in einem landwirtschaftlichen Fachmagazin gesehen hatte. Gemeint war der Strickhof, der für eine landwirtschaftliche Ausbildung warb.
Die Episode ereignete sich Anfang der 1950er Jahre. Aufgewachsen in Herisau AR, zügelte die Familie Steinlin 1945 nach Basel, wo Hellmuth das Gymnasium besuchte. Bis er besagtes Inserat sah. Kurze Zeit später absolvierte er am Strickhof – damals noch am Standort beim Irchel – eine landwirtschaftliche Lehre, von 1951 bis 1953.

Von Hand melken

66 Jahre später sitzt Hellmuth Steinlin im Büro von Strickhof-Direktor Ueli Voegeli und blickt auf seinen Werdegang zurück. Zugegen ist auch der ehemalige Strickhof-Betriebsleiter Walter Steiger, der seine Ausbildung kurze Zeit nach Steinlin absolvierte. Steinlin kam mit seiner Frau Debbie Anfang November für rund eine Woche nach Europa. Er war in Frankreich am Grab eines Verwandten, der im 1. Weltkrieg gefallen war, feierte seinen 86. Geburtstag in Basel, besuchte seinen Bruder und den Strickhof.

Der heute 86-jährige Steinlin kann sich noch gut an seine Zeit am Strickhof erinnern – ans Melken von Hand, an die Lehrer und an Direktor Bernhard Peter («ein ausgezeichneter Mann»). «Die Zeit am Strickhof hat mir gut gefallen und ich bin gerne zur Schule gegangen», sagt Hellmuth Steinlin rückblickend.

Eines Tages warb im Unterricht ein Vertreter Kanadas für eine Auswanderung in das nordamerikanische Land. Das weckte Steinlins Neugier, zumal er hierzulande keine Aussicht auf einen Bauernbetrieb hatte. Kurz nach Abschluss seiner Ausbildung ging er zwar nicht nach Kanada, dafür nach England, wo er nahe der Grenze zu Wales auf einer Farm arbeitete. Nach drei Wochen fragte Steinlin seinen Arbeitergeber, ob er auch einen Lohn erhalte. «Der Bauer sagte zu mir, du hast ja keine Bewilligung, also bezahle ich dich auch nicht», erinnert sich Steinlin. Danach packte er seine Sachen und bewarb sich bei einem Gemüsebaubetrieb in der Nähe von London.

Von Kanada in die USA

Einige Zeit später kehrte er in die Schweiz zurück. In Bern beantragte er ein Visum für Kanada. Danach reiste er nach Grossbritannien, bestieg dort ein Schiff, das ihn nach St. John in der Provinz New Brunswick brachte. Es folgte die Weiterfahrt in Richtung Toronto, wo er auf einem Betrieb mit Truthahnmast arbeitete. «75 Cent habe ich pro Stunde erhalten», erinnert sich Steinlin.

Später hat sich Steinlin selbständig gemacht, hat Land gekauft und Gemüse und Früchte angebaut. «Jedoch bin ich nie auf einen grünen Zweig gekommen», bilanziert er heute. Nach Jahren in der Landwirtschaft hat er diese schliesslich verlassen. Er arbeitete unter anderem an der Börse, importierte und verkaufte deutschen Wein. In den 1980er Jahren zog er in die USA, nach Kalifornien, wo er auch heute noch lebt.

Im Anschluss an das Gespräch führte Hanspeter Renfer, Leiter des Ausbildungs- und Versuchsbetriebs, Hellmuth Steinlin durch den Stall von AgroVet-Strickhof. Dabei stellte der Rentner erstaunt fest, dass viele Arbeiten, die er früher noch von Hand ausführen musste, heute von Robotern erledigt werden.



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