Pflanzenschutz aktuell Feldbau 9. Oktober 2019

09.10.2019
Auch bei Herbstbehandlungen im frühen Nachauflauf helfen kleine Spritzfenster Erfahrungen zu sammeln (Foto: Strickhof)

Auch bei Herbstbehandlungen im frühen Nachauflauf helfen kleine Spritzfenster Erfahrungen zu sammeln (Foto: Strickhof)

Unkrautregulierung im Wintergetreide

Welche Bedingungen und Argumente sprechen für eine Herbstbehandlung des Unkrautes im Getreide? Es kann jetzt abgeklärt werden, auf welchen Parzellen herbizidloser Anbau im Rahmen der REB sinnvoll ist

 

 

Unkraut im Getreide

Wann Herbstbehandlungen?
In Getreide, das im Herbst bereits früh bestockt, ist eine Herbstbehandlung im frühen Nachauflauf zu empfehlen. Dies ist in Gerste meist der Fall ist. Die Körner sollten, damit die Herbstmittel nicht schaden, überall mit Erde bedeckt sein. Trotzdem ist ein schnelles Auflaufen und eine gute Herbstbestockung durch eine nicht zu tiefe Saat aber besser. Die Pflanzen bilden dann auch schneller Wurzeln, die tiefer als die Herbizidschicht gehen. Walzen vor der Herbizidanwendung im Herbst erhöht die Wirkungssicherheit. Wenn in den letzten Jahren besonders beim Weizen hauptsächlich Frühjahresbehandlungen mit B-Mitteln durchgeführt wurden, kann es sein, dass die Verunkrautung mit Ehrenpreis und Stiefmütterchen stark ist. Eine Herbstbehandlung schafft dann Abhilfe, weil andere Wirkstoffgruppen als im Frühjahr zum Einsatz kommen. Ausserdem beugt sie der Resistenzbildung vor. Bei einem hohen Ackerfuchsschwanzdruck sollte eine Unkrautbehandlung unbedingt im Herbst mit einem Flufenacet-haltigen Herbizid durchgeführt werden. Bei schwächerem Befall gehen auch Prosulfocarb- und Chlorotoluron-haltige Mittel. Aus Antiresistenzgründen empfehlen wir im Herbst auf A-Mittel (Beispiel: Pinoxaden) und B-Mittel (Beispiel: Flupyrsulfuron) zu verzichten.

Zeitpunkt, Dosierung und Abschwemmauflagen
Eine Herbstbehandlung wirkt bei frühem Einsatz bedeutend besser. Bei hohem Ackerfuchsschwanz- oder Kleberndruck ist auch bei früher Anwendung die obere Dosierung zu wählen. Für Klebern ist eher eine Frühjahresbehandlung ins Auge zu fassen. Ohne Ackerfuchsschwanz reicht die untere, bewilligte Dosierung für eine breite Verunkrautung bei frühem Einsatz. Bei einigen Mitteln ist der Vorteil einer tiefen Dosierung, dass auch nur 1 anstatt 2 Abschwemmpunkte kompensiert werden müssen (Abschwemmpunkte gibt es bei > 2% Neigung und näher als 100m zu einem Oberflächengewässer). Je 1 Punkt wird durch ein bodenschonendes Ansaatverfahren, sowie durch einen 6m breiten, durchgehend bewachsenen Pufferstreifen (Strasse zählt nicht, Mittelheft S. 50 und 114) erreicht.

Verschieben Sie eine Behandlung auf das Frühjahr, wenn der Unkrautdruck tief ist. Auch wenn die Parzelle im Herbst zu Vernässung neigt oder am Feldrand Gräben und Schächte direkt in Gewässer oder die Kläranlage geleitet werden, sollte auf eine Herbstbehandlung möglichst verzichtet werden. Da im Winter die Böden meist wassergesättigt sind, ist die Gefahr der Auswaschung grösser als im Frühjahr.

Herbizidlose Verfahren
Sie können im Getreide im Rahmen der REB-Verfahren mit Unterstützung von 250 Fr. / ha auf den Einsatz von Herbiziden ab Saat verzichten. Wenn ab der Vorkultur keine Herbizide in Kombination mit einem bodenschonenden Verfahren wie Mulchsaat eingesetzt wird, erhält man für das Verfahren Mulchsaat 150 Fr./ha und für den Herbizidverzicht in Kombination mit dem Verfahren zusätzlich 200 Fr./ha. Gesamthaft sind also 600 Fr/ha möglich.  Es sollten nur Parzellen mit tiefem Unkrautdruck dafür angemeldet werden. Grundsätzlich kann im Frühjahr aber abgemeldet und mit einem Herbizid korrigiert werden, wenn im Frühjahr der Unkrautdruck besonders durch Klebern und Gräser zu hoch ist. Spätsaaten sind einfacher zu handhaben, weil kaum ein Striegeleinsatz im Herbst nötig ist. Bei früheren Saaten ist das Saatbett genug fein herzurichten und allenfalls eine Unkrautkur vorzunehmen, damit bei einem Striegeleinsatz im Herbst nicht grosse Erdklumpen den Weizen zudecken und das Unkraut aus den Ritzen keimt. Bei Spätsaaten mit tiefem Unkrautdruck kann bei genug dichten Beständen sogar auf das Striegeln im Frühjahr verzichtet werden. Auch eher langstrohige und im Extenso möglichst standfeste Sorten unterdrücken das Unkraut besser. In dünnen Extensobeständen mit kurzstrohigen Sorten kann das Unkraut meist nur mit mehrmaligem Striegeln unter Kontrolle gehalten werden, wenn es die Bedingungen erlauben.

Autoren: Georg Feichtinger und Fiona Cimei



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