Pflanzengesundheit beginnt im Boden

26.09.2019

Beim Thema Pflanzengesundheit liegt der Fokus gemeinhin auf dem Acker. Dass diese aber bereits im Boden beginnt, haben die Landwirte Dietmar Näser und Friedrich Wenz am «Bodenfruchtbarkeits-Tag» anhand von vielen Beispielen und praktischen Tipps veranschaulicht. Ihr Prinzip der regenerativen Landwirtschaft ist ganz simpel: Bodeneigenschaften werden mittels einfacher Massnahmen so gelenkt, dass verbesserte Bedingungen für die Kulturpflanze entstehen. Diese ist somit besser gegen Stresssituationen wie Trockenheit, heftige Regenfälle oder Krankheitsdruck geschützt. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen die Bodenorganismen.

Bodenorganismen beeinflussen die Pflanzengesundheit

Viele Nährstoffe, welche die Pflanze benötigt, sind schon im Boden vorhanden. Damit sie aber in der richtigen Form und zum richtigen Zeitpunkt für die Pflanze verfügbar sind, sind Pilze, Bakterien und andere Organismen nötig. Die Bodenorganismen bauen nicht nur die Nährstoffe um, sie bauen durch ihre Aktivität die Bodengare auf und durchlüften den Boden. Somit kann der Boden Wasser besser speichern und er ist einfacher zu bearbeiten.

Pflanzenwurzeln liefern den Organismen die nötige Energie

Damit Bodenorganismen aber die Funktion vollumfänglich ausüben können, brauchen sie nicht nur Wasser und Luft, sondern auch Energie in Form von Zucker. Diesen beziehen sie aus Ausscheidungen von lebenden Pflanzenwurzeln. Ohne lebende Pflanzenwurzeln kein aktives Bodenleben und ohne Bodenleben keine Nährstoffaufnahme für die Pflanze.

Der Bauer kann diesen Kreislauf gezielt fördern

Möchte der Landwirt seine Kulturpflanze fördern, muss er gemäss Näser und Wenz die Grundlage für das Bodenleben verbessern. Dabei reicht es nicht nur, die vorherrschenden Bodeneigenschaften zu kennen, vielmehr muss auch darauf geachtet werden, dass den Bodenorganismen wenn immer möglich Energie zur Verfügung steht. Während der Abreife der Hauptkultur kann dies zum Beispiel durch Zwischenfrüchte oder Untersaaten erfolgen. Jene Wurzeln liefern dem Bodenleben die nötige Energie, wenn die Wurzeln der Hauptkultur keinen Zucker mehr liefern. Näser und Wenz raten zudem zu einer nachfolgenden Flächenrotte. Das heisst, das Mulchgut wird mit der Beigabe von milchsäurebakteriellen Fermenten in den Boden eingearbeitet. Die Fermente fördern das Milieu für aufbauende Mikroorganismen und hemmen jenes von fäulniserregenden. Die Grünmasse liefert zudem dem Bodenleben nochmals nötige Energie. Dadurch findet die nachfolgende Kulturpflanze vorteilhaftere Bodeneigenschaften vor und ist besser gegen Unkrautdruck und aufkommende Krankheiten geschützt.

Der Erfolg lässt sich ganz einfach überprüfen

Der Effekt dieser Anbautechnik wurde den Teilnehmern am Nachmittag direkt auf einem Versuchsfeld gezeigt. Dabei wurde nicht nur ersichtlich, wie sich eine Flächenrotte positiv auf die Bodeneigenschaften auswirkt, die Referenten zeigten auch, wie der Erfolg solcher bodenfördernden Prozesse analysiert und beurteilt wird. «Die Umsetzung nach Lehrbuch reicht nicht aus, die Eingriffe auf dem Acker sollen immer auch direkt überprüft werden», so Wenz. Die Teilnehmer lernten dafür, mit welch einfachen Mitteln der Boden auf dem Feld beurteilt werden kann. Allein schon mit einem Spaten und einer Sonde, dem Riechen und Fühlen kann sich jeder Bauer ein umfassendes Bild über die Bodeneigenschaften und den Erfolg der Bewirtschaftungsform machen und gezielte Massnahmen zur Verbesserung der Bodeneigenschaften treffen. Denn nur ein gesunder Boden hilft der Pflanze, Stress-Situationen wie Krankheitsdruck und extreme Wetterereignisse puffern zu können, ohne dass zugleich Spritzmittel eingesetzt werden müssen.



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