Der Vormagen braucht Struktur

18.06.2019

Der gut besuchte Beeftag von letzter Woche ist wie jedes Jahr eine Zusammenarbeit vom Strickhof, der Swiss Beef Ost und der Melior. Tagungsleiter war Roger Bolt vom Team Tierhaltung am Strickhof. Der Anlass ist stets ein beliebter Treffpunkt für die Munimäster-Szene, wo nebst weiterbildenden Fachreferaten auch der Austausch unter den Profis von grosser Bedeutung ist. Bevor der neue Jungvieh- und Rindermaststall des AgroVet-Strickhof besichtigt werden konnte, standen zwei Referate auf dem Programm. Im ersten Referat zeigte Martin Kaske, Geschäftsführer des Kälbergesundheitsdienstes, auf, warum strukturreiches Futter für Wiederkäuer wichtig ist und welche Folgen zu viel Stärke im Futter haben kann. Der Pansen sei dazu da, damit die Wiederkäuer strukturreiches Futter verdauen können; hierfür sind die Munis während acht bis zehn Stunden am Wiederkauen. Das Kauen fördert die Speichelproduktion und dies wiederum begünstigt die Verdauungsabläufe und den PH-Wert.

Keine Stärke im Kot

«Wiederkäuer sind nicht gemacht für stark kraftfutterreiche Rationen», sagte Tierarzt Kaske. Denn damit nimmt die Wiederkauaktivität ab, es wird weniger Speichel produziert, der PH-Wert sinkt und die Tiere leiden aufgrund einer Übersäuerung schliesslich unter Pansenacidose. Ideal sei ein Rohfaseranteil im Futter von 18 Prozent.

Gehäuft komme es heute vor, dass Betriebe sich aufgrund unruhiger Tiere beim Kälbergesundheitsdienst melden. Untersuchungen haben ergeben, dass ein zu hoher Stärkegehalt im Futter der Grund sein kann. Der Pansen baut Stärke nur langsam ab, deshalb gelangt diese in den Dünndarm, den Dickdarm und ist schliesslich im Kot nachzuweisen. Stärke im Dickdarm kann Dickdarmacidose verursachen und zu unruhigen Tieren führen.

Elektronisches Behandlungsjournal

Was bringt ein elektronisches Behandlungsjournal dem Landwirt? Jenny Markov, Tierärztin vom Kälbergesundheitsdienst, erklärte die Vorteile dieses Tools und erwähnte, dass das elektronische Behandlungsjournal auch die Erfassung für den Landwirt erleichtern soll. Das System soll ab Anfang des nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Schnittstellen zu Zuchtdatenbanken sind vorhanden, die Tiere müssen im Behandlungsjournal also nicht nochmals erfasst werden. Stimmen aus dem Publikum äusserten sich vor allem zur Datensicherheit kritisch.

Ursina Berger



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