Grünland: Tipps für Pferdehalter

18.06.2019
Sie referierten am «Strickhof Pensionspferde-Tag» (von links nach rechts): Werner Hengartner, Hubertus Hertzberg, Brigitta Wichert, Bettina Ehrbar und Hans Hirschi.

Neuer Ort, neue Jahreszeit: Der «Strickhof Pensionspferde-Tag» fand heuer erstmals in Lindau (statt in Wülflingen) und erstmals im Juni (statt März) statt. «Da wir das Thema Grünland gewählt haben, wollten wir den Tag unbedingt während der Vegetationsperiode durchführen, um draussen Vorführungen machen zu können», erklärte Tagungsleiterin Bettina Ehrbar vom Fachbereich Pferdehaltung am Strickhof.

Die Hälfte der insgesamt rund 100 teilnehmenden Personen verbrachte den Morgen im Forum von AgroVet-Strickhof mit Fachreferaten, während die andere Hälfte auf dem Areal einen Rundlauf mit 5 Info-Posten absolvierte. Dann wurde gewechselt. Abgerundet wurde der Tag mit einer Führung durch den Milchviehstall von AgroVet-Strickhof.

Weiden haben verschiedene Funktionen

Gemäss Bettina Ehrbar erfüllen Weiden mehrere Funktionen: Sie sind Futtergrundlage, Wellness- und Bewegungsplatz in einem. Sie empfahl, Pferde im Frühling vorsichtig anzuweiden. Die Darmflora brauche Zeit, um sich auf das neue Futter einstellen zu können. Ehrbar riet deshalb, Pferde nicht hungrig auf die Weide zu lassen und sie vor dem Weideaustrieb mit Heu zu füttern. Weiter betonte Ehrbar, dass die Grünfutteraufnahme je nach Pferderasse, Bewuchs und Dauer des Weideaufenthalts unterschiedlich sei. Versuche hätten gezeigt, dass Pferde schneller fressen würden, wenn sie nur kurze Zeit auf der Weide seien.

Werner Hengartner, Fachbereich Futterbau Strickhof, zeigte in seinem Referat die verschiedenen Konservierungsmethoden von Raufutter auf – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Für die Pferde wichtig sei Raufutter mit guter Struktur, das hygienisch einwandfrei und lediglich eine geringe Staubbelastung aufweise, betonte Werner Hengartner. Er forderte an die Anwesenden, das Raufutter sensorisch zu prüfen. Wie ist der Geruch, wie die Farbe? Gibt es Verunreinigungen?

Tierarzt Hubertus Hertzberg, Leiter Parasitologie am Health Balance Uzwil, plädierte für ein Umdenken beim Parasitenmanagement. In der Vergangenheit seien Entwurmungsmittel zu unkritisch und zu häufig eingesetzt worden. Als Folge hätten sich zunehmend resistente Wurmpopulationen gebildet. «Wir müssen lernen, eine Koexistenz von Wirtstier und Parasit zu tolerieren», betonte Hubertus Hertzberg. Ein «normaler» Befall sei für ein gesundes Pferd nicht existenzbedrohend. «Das parasitenfreie Pferd ist eine Illusion», sagte der Tiermediziner. Das Parasitenmanagement werde in Zukunft aufwändiger und damit auch kostspieliger.

Brigitta Wichert vom Institut für Tierernährung der Universität Zürich wies darauf hin, dass viele Pferde bei reiner Weidehaltung verfetten. «Eine Weide mit gutem Bewuchs liefert für viele Pferde eine zu grosse Menge an energiereichem Futter», erklärte die Tierärztin. Die Verfettung berge die Gefahr, dass Pferde an Hufrehe erkrankten. Sie erinnerte daran, dass Pferde ursprünglich in der Steppe lebten und energieärmeres Gras frassen.

Individuell düngen

Hans Hirschi von der Firma Landor zeigte auf, wie Wiesen und Weiden optimal gedüngt werden. Er empfahl, pro Bewirtschaftungsparzelle Bodenproben zu nehmen und aufgrund deren Resultate einen individuellen Düngungsplan zu erstellen. «Es gibt keine Standard-Düngungsempfehlung für Ihren Betrieb», sagte Hans Hirschi zu den Anwesenden. Die Düngung sei abzustimmen auf Nutzungsintensität, Nutzungsart, Pflanzenbestand, Jahreszeit und Klima.

Stephan Berger von der Fachstelle Landtechnik zeigte zusammen mit Landtechnikherstellern diverse Maschinen für Übersaat und Weidepflege. Die Tagungs-TeilnehmerInnen durften eine Art Staubsauger testen, der Weiden von Pferdeäpfeln säubert. «Extrem sauber», beurteilte ein Zuschauer das Resultat.

Die Gelegenheit, mit Fachpersonen zu sprechen, wurde auch an den anderen Posten rege genutzt. Die Pferdehalter schilderten persönliche Situationen und teilten ihre Meinungen miteinander. Heiss diskutiert wurde beispielsweise, welches Heu man den Pferden noch verfüttern dürfe und welches nicht.

Giftpflanzen kennen

Am Posten der HF-Studierenden konnten Interessierte ihre Pflanzenkenntnisse spielerisch mithilfe eines Quiz testen. Und erfuhren zudem, welche Pflanzen giftig für Pferde sind. Tanja Bachmann informierte über einen gemeinsamen Versuch mit HF-Studierenden, bei dem verschiedene Pferdeweide-Mischungen getestet wurden.

Walter Hübscher vom Zaunteam erklärte, welche gesetzliche Bestimmungen beim Errichten von Zäunen beachtet werden müssen. Und Stefan Lüthy von UFA Samen stellte verschiedene Mischungen für die Heu- und Haylageproduktion vor. «Pferdehalter sollten ihre Wiesen so lieben wie ihre Pferde», sagte Lüthy.



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