Hacken mit GPS und trockene Böden

09.05.2019

Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke am Horizont und tauchen den schier endlosen Acker in goldenes Licht. Ein 320-PS-Traktor mit beängstigend grosser Bereifung zieht schnaubend seine Bahnen. Wir befinden uns im Car auf der traditionellen Abschlussreise durch Ostdeutschland.

Die Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften hat in der DDR zur Zusammenlegung vieler Kleinbetriebe geführt. Nach der Wende 1989 blieben diese grossen Strukturen weitgehend erhalten – landwirtschaftliche Nutzflächen von 3000ha und mehr sind keine Seltenheit. Auf der einwöchigen Fachreise gewinnen wir einen Eindruck der hiesigen Verhältnisse und reflektieren diesen in Fachberichten.

Betrieb Wentzel

Als einer der wenigen Betriebe in dieser Grössenordnung ist der Betrieb C.F. Wentzel im Besitz einer einzigen Familie. Auf rund 4000ha wachsen Getreide, Raps, Zuckerrüben und Mais. Diese Ackerfrüchte sind typisch für die Gegend. Mais produziert der Betrieb Wentzel für eine der zahlreichen Biogasanlagen. Die Betreiber der Anlage übernehmen Ernte und Transport, Wentzel kümmert sich um Saat und Pflanzenschutz.

Unkraut wird gehackt

Bei unserem Besuch ist die Pflanzenschutzspritze im Winterweizen und bringt ein Wachstumsregulierungsmittel aus. Edgar Müller, Geschäftsführer des Betriebs Wentzel, erklärt uns die speziellen Düsen durch die das Mittel auf die Zielfläche gelangt. Auf die Schweizer Pestizidverbotsinitiative angesprochen meint er: «In Deutschland gibt es ähnliche Bestrebungen. Sie zielen aber nicht darauf ab, dass Pestizide ganz verboten werden, sondern darauf, dass die Wirkstoffe sehr stark eingeschränkt und die Anwendungstechnik verbessert wird.» Müller setzt bei der Zuckerrübensaat Technik ein, die per GPS die genaue Saatgutablage registriert. Die Daten werden auf das Hackgerät übertragen und ermöglichen eine präzise und schnelle Unkrautbekämpfung. Laut Müller reicht danach eine Bandspritzung aus. Bis zu 90% Herbizid wird eingespart.

Thema Glyphosat

Auf mehreren Betrieben wurde die Diskussion um ein Glyphosatverbot erwähnt. «Die konventionell wirtschaftenden Betriebe fürchten um ihre Existenz, da sie ihre Art der Landwirtschaft als gefährdet ansehen», sagt Laura Kulow, Junior-Chefin eines 500ha Biobetriebs. Für sie ist eine pestizidfreie Landwirtschaft nicht nur denkbar, sondern nötig: «Gelder, die momentan in die Pestizid-Forschung fliessen, könnte man für die Weiterentwicklung von mechanischen Unkrautbekämpfungsgeräten und für die Züchtung resistenter Pflanzensorten einsetzen.»

Mehr Biobetriebe

Der Biobetrieb hat sich auf die Produktion von Kartoffeln spezialisiert. Auf rund 80ha werden unterschiedliche Sorten angebaut. Die Kartoffeln werden in den Speise- und Verarbeitungskanal verkauft. Die Preise sind gut, Bioprodukte werden nachgefragt. Laura Kulow: «Früher war die Akzeptanz des Biolandbaus in der Region schlecht. Heute gibt es immer mehr Umsteller und Interessierte.» Der Anteil des Biolandbaus in Deutschland beträgt rund 4 bis 5%. Auch Edgar Müller vom Betrieb Wetzel hat das wachsende Interesse bemerkt: «Drei Nachbarn haben gerade umgestellt.» Müller sieht aber auch die Gefahr des Überangebots: «Momentan wird der Biolandbau staatlich gefördert. Diese Förderbeiträge laufen aber aus. Der Biolandbau muss sich am Markt etablieren.»

Neue Düngeverordnung

Neben der wachsenden Biobegeisterung fallen die kritischen Stimmen zur Düngeverordnung auf. Diese zielt darauf ab, Risiken bei der Ausbringung kritischer Hilfsstoffe zu verringern. Edgar Müller meint dazu: «Die Düngemengen und die Ausbringzeiträume sollen stark eingeschränkt werden.» Mindestens einmal pro Jahr ist der Stickstoffgehalt der zu düngenden Parzelle zu untersuchen. Die maximale Düngemenge hängt vom Nmin ab. Ein Betriebsleiter klagte über wesentliche Unterschiede im Proberesultat, je nachdem in welchem Labor er seinen Boden untersuchen liess. Auf einem anderen Betrieb musste eine zusätzliche Arbeitskraft eingestellt werden, um die wachsende Büroarbeit zu bewältigen.

Trockenheit lässt bangen

Die Dürre des letzten Sommers hat auch die deutsche Landwirtschaft nicht verschont. Alle besuchten Betriebe verzeichneten Ertragseinbussen, besonders jene, die durchlässige Sandböden bewirtschaften. Um den finanziellen Schaden auszugleichen, werden in den kommenden Jahren ertragreiche Ernten nötig sein. Die dem schneefreien Winter geschuldete geringe Bodenfeuchtigkeit lässt die Bauern aber bangen.

Gleiche Herausforderungen

Nach zahlreichen Betriebsbesuchen rundet ein kurzer Abstecher nach Berlin die Reise ab. Die Landwirtschaft in Ostdeutschland hat uns beeindruckt. Alles ist grösser aber grundsätzlich gleich. Auch hier ist es die Kunst des Bauern, mit den gegebenen Boden- und Witterungsverhältnissen nachhaltig und wirtschaftlich zu arbeiten.

Autoren: Christian Pfister, Andreas Guyer



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