Überwachung und Bekämpfung der Möhrenfliege

30.04.2019

Feldüberwachungen im Gemüsebau

Die Möhrenfliege ist der tierische Hauptschädling im Karottenanbau. Die Frasstätigkeit der Larven mit den typischen schwarz verfärbten Frassgängen in den Karotten macht diese unverkäuflich. Der Schädling tritt jedoch gerade im Kanton ZH sehr unterschiedlich verteilt auf. Fahrplanmässige Bekämpfungen sind aufgrund der Biologie des Schädlings daher nicht effektiv und teilweise sogar unnötig.

Die Möhrenfliege (Psila rosea) verursacht Schäden vor allem an Karotten. Daneben werden aber auch weitere Doldenblütler wie Sellerie, Petersilie, Fenchel oder Pastinake befallen. Bei uns treten pro Jahr in der Regel 3 Generationen des Schädlings auf. Da die Tiere sowohl als Larve als auch als Puppe im Boden überwintern können, zieht sich der Flug der ersten adulten Generation im Frühjahr von Ende April bis in den Juni hinein hin. Der 2. Flug findet im Hochsommer im Juli und der 3. Flug Ende August-September statt. Der eigentliche Schaden wird durch das letzte der jeweils 3 Larvenstadien pro Generation verursacht. Während die ersten beiden Larvenstadien nur die äusseren Feinwurzeln anfressen, befällt das dritte Larvenstadium die Hauptwurzel und verursacht die typischen Frassgänge. Nach der Verpuppung im Boden und dem Schlüpfen der adulten Fliegen führen diese einen Reifungsfrass an nahegelegenen Feldgehölzen, Sträuchern, Hochstauden oder höheren Kulturen wie Mais durch. Hier findet auch die Paarung der adulten Tiere statt. Das Weibchen fliegt anschliessend jeweils am späteren Nachmittag bis Sonnenuntergang in die Kulturen ein und landet auf den Blättern möglicher Wirtspflanzen. Möhrenfliegen sind dabei schlechte Flieger und bevorzugen deshalb windstille Lagen. Auf den Blättern angekommen werden Wirtspflanzen über chemische Signale der Pflanze erkannt. Bei einem Teil der Weibchen kommt es danach zur Eiablage in den Boden in unmittelbarer Nähe des Wurzelhalses. Dabei werden schattige und feuchte Stellen bevorzugt. Nach der Eiablage fliegen die Weibchen wieder zurück in die umliegenden Feldgehölze. Die adulten Tiere sind also nur während kurzer Zeit überhaupt in der Kultur anzutreffen.

Flugüberwachungen
Larvizide Angiessmittel zur Bekämpfung der Larven im Boden sind seit mehreren Jahren im Gemüsebau nicht mehr zugelassen. Die direkte chemische Bekämpfung muss sich daher auf die Bekämpfung der adulten Fliegen bzw. auf die Verhinderung der Eiablage konzentrieren. Versuche von Agroscope haben gezeigt, dass die zur Verfügung stehenden Pyrethroide ihre Wirkung wohl eher durch die Verhinderung der Eiablage (Repellent) entfalten als durch direkte Einwirkung auf die adulten Tiere. Um die abstossende Wirkung dieser Mittel vom Zeitpunkt her optimal zu nutzen, ist eine Flugüberwachung der adulten Tiere nötig. Da es sich bei Möhrenfliegen um relativ ortstreue Tiere handelt ist eine Überwachung auf der einzelnen Parzelle nötig. Feldüberwachungen der Fachstelle Gemüse haben gezeigt, dass gerade im Kanton Zürich, mit seinen relativ gut verteilten Karottenparzellen, der Schädling längst nicht überall vorkommt. Die Überwachung geschieht daher ab Mitte April mit Farbtafeln (Rebell® orange), welche immer leicht über der Kultur angebracht werden (Siehe Abbildung 1). Aufgrund des erwähnten Fortpflanzungsverhalten, sollten die nötigen 2 Fallen pro Parzelle parallel zu Feldgehölzen ca. 10 Meter in der Kultur, quasi in der «Anflugschneise» der Weibchen, angebracht werden. Die Auswertung der Farbtafeln erfolgt wöchentlich mit Hilfe einer Handlupe am besten in einem ruhigen und gut beleuchteten Raum. Mit etwas Übung kann man die rund 5 mm langen Insekten mit tiefschwarzer Brust und Hinterleib, glasklaren Flügeln, gelblichen Beinen, gelber Kopfkapsel mit grossen rötlich-schwarzen Komplexaugen leicht von anderen mitgefangenen Insekten unterscheiden (Siehe Abbildung 2). Die Schadschwelle ist erreicht, wenn pro Falle und Woche mindestens eine Fliege im Durschnitt der aufgestellten Fallen gefangen wurde. In diesem Fall ist eine möglichst rasche Behandlung mit einem zugelassenen Mittel durchzuführen. Frühkarotten unter Vliesabdeckung sind noch nicht gefährdet, sofern das Vlies nicht für Kulturarbeiten geöffnet werden muss. Falls Kulturarbeiten durchgeführt werden müssen, sollte das Vlies möglichst am Morgen geöffnet und wieder geschlossen werden. Ebenfalls keine Behandlungen sind nötig, sofern innerhalb von 4 Wochen des Flughöhepunkts geerntet wird, da erst das letzte Larvenstadium den eigentlichen Schaden verursacht.

Vorbeugende und alternative Massnahmen
Gerade im Bio-Karottenanbau, wo keine direkten Bekämpfungsmittel zur Verfügung stehen, kommt den vorbeugenden Massnahmen eine entscheidende Bedeutung zu. Dies beginnt bei der Parzellenwahl: Windoffene Lagen entfernt von Feldgehölzen, Hecken und vorjährigen Befallslagen sind zu bevorzugen. Bei der Aufbereitung aussortierte, befallene Karotten sollten verfüttert oder kompostiert werden aber nicht unbehandelt zurück auf die Felder gelangen. Auch auf eine zügige Feldhygiene (oberflächliches Einarbeiten der Erntereste) nach der Ernte ist zu achten. Als alternative Massnahme bei festgestelltem Flug kann eine temporäre Abdeckung mit Kulturschutznetzen erfolgen. Bei der Öffnung der Netze für Kulturarbeiten gilt das Gleiche wie bei der Vliesabdeckung d.h. Kulturarbeiten am Morgen durchführen. Um die Entwicklung der Eier bzw. der Larven zu stören kann ein häufiges Hacken bis nahe an die Wurzelhälse heran einen gewissen Effekt bringen. Gerade in trockenen Jahren schafft man so gezielt ein trockenes Milieu indem die Eier vertrocknen können bzw. die Larven sich nicht optimal entwickeln. Letztgenannter Punkt ist auch der Grund dafür, dass in ausgesprochenen Hitzesommern – wie z.B. 2018 – der Möhrenfliegenflug in der Regel geringer ausfällt. Wenigstens in Bezug auf die Möhrenfliege haben die sich häufenden sommerlichen Trockenperioden also auch etwas Gutes an sich.



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