Pflanzenschutz aktuell im Feldbau 30. April

30.04.2019

Schädlingsdruck erkennen

Erdflöhe in Rüben und die Herbizide verursachten Blattschäden. Jetzt tauchen schon erste schwarze Läuse an den Rüben auf. Je nach Blühfreudigkeit des Rapses lässt sich der Schädlingsdruck ableiten. Am 25. Mai ist AgriTech Day am Strickhof. Termin reservieren.

Zuckerrüben

Erdflohbefall und Herbizidschäden
Bis jetzt musste im Kanton Zürich erst für gut 10% der Zuckerrübenfläche eine Sonderbewilligung zur Bekämpfung der Erdflöhe erteilt werden. Viele Parzellen zeigen beschädigte Blätter, diese sind oft im Zusammenhang mit Herbizidschäden. Letztere sind oft schlimmer als die der Flöhe. Sind die Rüben noch klein (Keim- bis Zweiblattstadium) und weisen mehrere Schabstellen an jeder zweiten Pflanze auf, kann man eine Behandlung (nur mit Sonderbewilligung) in Betracht ziehen. Im 4 Blattstadium sind sie für die Erdflöhe nicht mehr so interessant und es kann, ausser bei massivem Befall, auf eine Behandlung verzichtet werden.

Erste Blattläuse aufgetreten
Wenn an 50% der Pflanzen im Zwei- bis Vierblattstadium Blattläuse (schwarz) entdeckt werden, ist eine Behandlung in Erwägung zu ziehen. Dabei kommen eigentlich nur Pirimicarb-haltige Mittel (Pirimor, Pirimicarb) in Frage, um die Nützlinge zu schonen. Pyrethroide (nur TAK 50 EW hat eine Bewilligung) haben zwar auch eine Wirkung auf Blattläuse, räumen aber alle Nützlinge ab, brauchen eine Sonderbewilligung und sind ausserdem stark resistenzgefährdet. Bei allen Pirimicarb-haltigen Mitteln reicht eine Dosierung von 50 – 100g/ha aus! (Zulassung 250g/ha). Ausserdem empfehlen wir, die Düsen im Sektor hinter dem Traktor zu schliessen. So erstellen Sie Streifen im Feld, auf dem sich die Nützlinge aufbauen können. Eine Mischung mit Herbiziden wird nicht empfohlen. Ausserdem muss das Mittel abends oder frühmorgens ausgebracht werden, um die Bienen zu schonen (SPe 8!). Zum Anmischen muss eine Atemschutzmaske getragen werden. Sollten Sie am REB-Zuckerrüben Programm teilnehmen, ist der Einsatz der Pirimicarb-haltigen Mittel nicht erlaubt, da sie auf der berüchtigten 9.1 Liste stehen.

Raps

Blüte verrät Schädlingsdruck
Im Raps sind die Pflanzenschutzmassnahmen abgeschlossen. Anhand der Blühfreudigkeit kann jetzt etwas über den Schädlingsdruck ausgesagt werden. Wir beobachten 3 Stufen von Blühfreudigkeit.
Üppig und intensiv gelbe Blüte, dem Raps geht es sehr gut. Nur ein sehr schwacher Befall mit Stängelrüssler ist zu verzeichnen. Die Ertragserwartung ist hoch.
Eher verhalten blühende Felder. Durch den starken Befall mit Stängelrüsslern hat sich der Haupttrieb nach unten gedreht und ist aufgeplatzt. Die Seitentriebe blühen nur zögerlich unter anderem wegen dem Befall mit Glanzkäfern. Hier sind 30-40kg/a noch möglich.
Gar nicht blühende oder nur vereinzelt blühende Rapspflanzen in einem Feld. Hier haben alle drei Schädlinge massiv zugeschlagen. Die Pflanzen haben einen Bonsai ähnlichen Wuchs, sind verdreht und an den Trieben hat es nur noch Stäbchen ohne Schoten. In den unteren Blattachseln und vor allem unten im Haupttrieb findet man zahlreiche Erdflohlarven. Die Erdflöhe haben den ganzen (warmen) Herbst Eier abgelegt. Um dies zu verhindern wären mindestens 2 Insektizidbehandlungen nötig gewesen. Im Frühjahr kamen dann die Stängelrüssler, die auch in bereits 20cm lange Triebe noch zahlreiche Eier ablegten. Gut 90% der Pflanzen sind dadurch verdreht. Zuletzt nagten die Glanzkäfer die Knospen auf und zerstörten dadurch die Schotenanlage. In diesem Fall gehen wir von einem stark reduzierten Ertrag von schätzungsweise nur noch 10-20kg/a aus. Wahrscheinlich lohnt sich auch in diesem Fall die Ersatzsaat von Mais nicht. Denn die Beiträge und die Kosten der bereits eingesetzten Hilfsstoffe müssten vom Maiserlös abgezogen werden. Es muss in ein paar Wochen abgeschätzt werden, ob diese Felder wegen dem Dauerfrass der Glanzkäfer trotzdem aufgegeben werden müssen. Denn Rapsfelder die dauernd durch Glanzkäfer geschädigt werden, reifen nicht ab. Sie weisen noch während dem Dreschen einen hohen Grünanteil auf, was das spärliche Erntegut zusätzlich feuchtet, so dass ein Abnehmer einen solchen Posten eher abweist.

Agri-Tech Day

Reservieren Sie sich den 25. Mai. Strickhof und ETH Zürich zeigen neueste Technologien und nachhaltige Lösungen. Details im Internet unter: http://www.worldfoodsystem.ethz.ch/agritech.html

Autoren: Markus Hochstrasser & Fiona Cimei



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