Zuckerrüben Mitteilung KW 14

03.04.2019

Start ins Rübenjahr

Nachdem einige Felder in den letzten Februar-Tagen gesät wurden, erfolgte die eigentliche Rübensaat vom 22. März bis 2. April. Demensprechend beginnt nun auch die Saison des Pflanzenschutzes. – Der Wegfall von Gaucho führt vielerorts zu Verunsicherungen, die jedoch nur teilweise begründet sind. 

Frühe Saaten sind aufgelaufen
Die ersten Saaten erfolgten dieses Jahr bei besten Boden-Bedingungen bereits Ende Februar. Rund einen Monat später waren sie am Auflaufen. Optisch sehen sie ungenügend bis gut aus. Auf einigen Feldern stören Krusten das problemlose Wachstum. Ob der Pillen-Insektizidschutz gegen Bodenschädlinge auch in den nächsten Wochen noch genügend anhält wird sich zeigen, denn Force wird nicht so lange wirken wie bisher Gaucho!? – Wurde auf diesen Feldern der erste Herbizidsplit noch nicht gemacht, sollte dieser nun so schnell wie möglich ausgebracht werden. Eine Neusaat soll nur ins Auge gefasst werden, wenn die Bestände unter 40'000 Rüben haben.

Schädlinge
Mit dem Gaucho-Verbot hat sich die Situation bezüglich Schädlinge deutlich verändert. – Mussten in den letzten Jahren die Felder, ausser gegen Schnecken und Erdschnakenlarven, kaum mehr kontrolliert werden, bricht nun eine neue Ära an. Wohl ist der Schutz mit Force gegen alle Bodenschädlinge, ausser Schnecken und Nematoden, sehr gut. Da das Produkt aber nur über die Dampfphase und nicht systemisch wirkt, werden Schädlinge, die übers Blatt angreifen (Erdfloh, Blattlaus, Rübenfliege), nicht erfasst.

Da Blattschädlinge immer zuerst zufliegen müssen, können die Unterschiede von Feld zu Feld beträchtlich sein. Mitunter kann es dann aber auch schnell gehen. Daher ist es wichtig, dass jede Parzelle nun alle 2-3 Tage kontrolliert wird. Die heikle Phase dauert bis zum 4-Blatt, bei Blattläusen sogar fast bis zum Reihenschluss.

Ausser gegen Blattläuse (bewilligt ist nur der nützlingsschonende Wirkstoff Pirimicarb) braucht es vor einer Insektizidspritzung eine kantonale Sonderbewilligung. Die dazu erforderlichen Bekämpfungsschwellen finden Sie u.a. im «Rübenpflanzer» der SFZ. Beachten Sie, dass es bei den Insektiziden nur noch eine Wirkstoffgruppe (Pyrethroide) gibt. Da diese Gruppe etwas problematisch ist, erkennen Sie an den Auflagen bezüglich Drift und Abschwemmung, die je nach Produkt verschieden sind! Da diese Produkte auch bezüglich Nützlinge radikal wirken, sollten sie nur in der Not eingesetzt werden. Neben der Behandlungsschwelle ist vor dem Einsatz auch die Witterung mit zu berücksichtigen.

Der erste mögliche Schädling wird der Erdfloh sein. Sein Schaden ist bei den Rüben weniger gross, als der beim Raps. Obwohl die Erdflöhe sehr ähnlich aussehen, handelt es sich um andere Arten. Beachten Sie, dass der direkte Schaden, Lochfrass am Blatt oder Herzzerstörung am Keimling, nur etwa die Hälfte des Schadens ausmacht. Die andere Hälfte bewirken Verbrennungen durch die Herbizide am angefressenen Blatt. Damit diese Schäden nicht auftreten, müsste das Insektizid 2-3 Tage zuvor appliziert werden, sodass die Frassstellen vernarben können. Beim System Conviso Smart erwarten wir geringere Schäden, da das Herbizid auf den Rüben nicht brennt. Neben Rüben befallen die Rüben-Erdflöhe besonders auch Knöteriche und Gänsefussarten.

Der zweite zu beachtende Schädling sind die Blattläuse. Ein sicheres Zeichen, dass diese im Feld sind, sind oft die besser erkennbaren Marienkäfer! Die Läuse sollten erkannt und bekämpft werden, bevor stark gekrauste Blattschäden gefunden werden. Gegen Blattläuse genügt auch eine deutliche Unterdosierung der Mittel (50 anstatt 250 g/ha) oder das bewusste Nichtspritzen ganzer Feldteile. Der Vorteil liegt darin, dass die Nützlinge dadurch noch etwas zu fressen haben und nicht verhungern!

Kommen ihre Rüben auf eine Parzelle zu stehen auf der letzten Herbst eine Grasmischung stand, muss mit Erdschnaken gerechnet werden. Bei Massenauftreten genügt dann das Insektizid in der Pille nicht und Sie müssen zum Erdschnakenköder greifen.

Unerwartet stark können auch immer wieder Schnecken auftreten. Wer noch keine Schneckenköder auf kleinen Testflächen angelegt hat, sollte dies jetzt umgehend tun. Warten Sie damit nicht bis die Rüben auflaufen! Achtung: Sluxx-Köder hinterlassen keine Schleimspuren.

Unkrautbekämpfung
Normalerweise beginnt die Unkrautbekämpfung 2-3 Wochen nach der Rübensaat. Je früher damit begonnen wird, desto vielseitiger sind die Möglichkeiten und desto geringer können die Dosierungen der Kontaktherbizide gewählt werden. Dank Schlitteneffekt verbessern Kontaktherbizide (Phen-, Desmedipham) die Zusatzwirkung der Bodenherbizide (Metamitron, Chloridazon, Ethofumesat) übers Blatt deutlich. Beachten Sie, dass 4 Teilspritzungen oft deutlich bessere Resultate und weniger Schäden ergeben, als 3 Behandlungen mit höheren Dosierungen. Dies gilt besonders, wenn Erdflöhe die Rüben geschädigt haben.

Bei der 1. Behandlung ist insbesondere auf leichten oder sauren Böden auf das Beimischen von Zusatzherbiziden wie Dual, Spectrum oder Venzar zu verzichten. – Kann bei den Bodenherbiziden eher nach einem fixen Schema vorgegangen werden, braucht es bei den Kontaktmitteln etwas mehr Fingerspitzengefühl. Zuschläge oder Abzüge von bis zu 50% der Basismenge können richtig sein. Dafür entscheidend sind neben der Unkrautgrösse auch die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Taubildung, Tageszeit, Strahlung, Wachsschicht und der Rübenzustand. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch die Anzahl Mischpartner und die Formulierung der Produkte. Weitere Angaben finden Sie auch in unserem Rübenpflanzer oder im Herbizidprogramm SFZ-LIZ auf unserer Homepage.

Normalerweise sind Herbizidsplits nach etwa 10 Tagen zu wiederholen. Je nach Wirkung kann dies aber auch einige Tage früher oder später sein. Je nach Witterung, Restunkraut und Bodentrockenheit wird ab dem 2. Split verstärkt auf die Kontakt-Ergänzungsmittel Debut oder Lontrel gesetzt.

Haben Sie sich für die Sorte Smart Belamia entschieden, soll der erste Split mit Conviso One nicht zu früh erfolgen. Das 4-Blatt der Melde ist ok, die andern Unkräuter spielen eine untergeordnete Rolle. Sollte es bei der Spritzung trocken sein oder nur eine geringe Luftfeuchtigkeit herrschen, empfehlen wird einen Herbizid-Öl-Zusatz – sonst braucht es nichts! Dank dem späteren Herbizideinsatz mit Conviso One sollten sich die Schädlinge besser verteilen, was eine Insektizidspritzung hinauszögern kann.



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Andreas Bertschi

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