«Wir sind gefragte Arbeitskräfte»

25.03.2019

Michael Merz macht eine Lehre als Obstfachmann EFZ und geht am Strickhof zur Berufsschule. Er liebt die Abwechslung und fühlt sich deshalb in diesem Beruf sehr wohl.

Michael Merz schreitet durch die Kirschenanlage auf seinem Lehrbetrieb in Braunau im Kanton Thurgau. «Hier haben wir vor drei Wochen neue Kirschbäume gesetzt», sagt er und zeigt auf karge, dünne Bäumchen, die schräg aus der Erde ragen. «In dieser Lage werden die Bäume nicht zu stark in den Himmel wachsen, weil die Mittendominanz des Baumes gebrochen wird.» In zwei Jahren werden diese Bäume erste Früchte tragen.

Breites Wissen

«Als Kind fand ich die Apfelernte auf unserem Betrieb zu Hause langweilig und sie dauerte ewig an», erzählt der 21-Jährige aus Berg TG. «Ich wollte lieber Traktorfahren, statt Äpfel ablesen.» So entschied er sich nach der Schule für eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. «In dieser Zeit fand ein Umdenken statt», erzählt er. Er begann sich - trotz der ewig andauernden Apfelernte - für den Obstbau zu interessieren und stellte fest, dass dieses Metier sehr interessant und grenzenlos vielfältig sein kann. Nun absolviert er seine Zweitausbildung als Obstfachmann EFZ bei der Familie Monika und Thomas Lehner. Da er bereits über eine abgeschlossene Ausbildung verfügt, kann er das erste und zweite Lehrjahr in einem Jahr absolvieren. Michael Merz suchte nach einem Lehrbetrieb mit möglichst vielen Kulturen, um sich ein möglichst breites Wissen anzueignen. Auf dem Betrieb mit herrlicher Sicht auf den Säntis werden Mostäpfel, Kirschen, Zwetschgen, Heidelbeeren, Aprikosen, Holunder und Himbeeren produziert. Dabei lernt er auch, die Früchte nach der Ernte richtig zu lagern, so dass sie frisch und ohne Qualitätseinbusse bei den Konsumenten ankommen.

Schweiz ist Trumpf

Michael Merz zeigt in der Anlage neu gepflanzte Heidelbeeren - eine späte Sorte mit dem Namen Aurora. Die umliegende Erde ist mit Plastik abgedeckt, damit kein Unkraut wächst. Heidelbeeren interessieren ihn besonders: «Eine feine Beere und eine Kultur, womit ich möglicherweise den elterlichen Betrieb etwas diversifizieren könnte.» Denn am meisten schätzt er beim Arbeiten die Abwechslung. Obwohl Heidelbeeren ohne Grenzschutz in die Schweiz importiert werden dürfen, glaubt Michael Merz an den Erfolg von inländischen Beeren, der Herkunft wegen, auch wenn sie etwas teurer sind.

Zuverlässig arbeiten

Obstfachleute müssen selbstständig, zuverlässig und genau arbeiten können. «Ich kontrolliere auch den Schädlingsbefall», sagt Michael Merz, «da muss ich besonders genau arbeiten, denn mein Berufsbildner kann nicht alles überprüfen». Auf dem Arbeitsmarkt sind Obstfachleute gefragte Leute, zum Beispiel als Betriebsleiter von grösseren Betrieben, auf Versuchsbetrieben, in der Forschung oder als Lehrkräfte. Michael Merz profitiert in diesem Beruf von seiner Erstausbildung als Landmaschinenmechaniker. Die vielen Maschinen, die im Einsatz stehen, müssen geflickt und in den Wintermonaten gewartet werden. Was machen Obstfachleute sonst noch im Winter? «Gestern haben wir Drähte gespannt für die Seitennetze, die die Heidelbeeren nach der Blüte vor der Kirschessigfliege schützen sollen.» Auch werden Bäume geschnitten, neue Bäume gepflanzt, Hagelnetze neu konstruiert und die Bewässerung umfunktioniert. Letzte Woche konnte Michael Merz mit dem Berufsbildner eine Baumschule mit Obst- und Beerenanbau in Verona besuchen. Andere Dimensionen, andere Anbausysteme - ideal, um sich für die Zukunft inspirieren zu lassen.

Text: Ursina Berger

Informationsabend Berufsfeld Landwirtschaft

Am Mittwoch, 17. April 2019 um 20 Uhr, findet am Strickhof Lindau ein Informationsabend zu folgenden Berufen statt:

  • Landwirt/-in EFZ, auch mit Schwerpunkt Biolandbau und Berufsmaturität
  • Agrarpraktiker/-in EBA
  • Obstfachmann/-fachfrau EFZ
  • Winzer/-in EFZ
  • Weintechnologe/-technologin EFZ


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