Weinjahr 2018 - Der Sommer ohne Ende

15.11.2018

Ein Sommer wie dieser wird in Erinnerung bleiben. Wärme und Hitze, Sonne pur, trocken über lange Tage, Wochen und Monate. Bereits Ende August begann der Wümmet – mit reichlich Trauben von einer Güte, die keine Wünsche offen liess. Das Weinjahr 2018 wird sich weit vorne einreihen wird in der Statistik der «Besten Jahrgänge».

Der «Sommer ohne Ende»
Zum Jahreswechsel 2017/18 war es kalt in den Reben. Kälteschäden waren keine zu verzeichnen, und man nutzte die schönen Tage für den Schnitt. Nach dem Austrieb ab Mitte April entwickelten sich die Reben zügig und gleichmässig – und dieses Jahr ganz ohne Spätfrost. Dieses Jahr wären die Frostruten nicht nötig gewesen ...

Bereits gegen Ende Mai stand der Riesling-Silvaner in Vollblüte und liess einen frühen Wümmet erahnen.

In den folgenden Wochen und Monaten war es ganz einfach Sommer. Es wurde trocken in den Reben, und Junganlagen brauchten jetzt Wasser. Die Witterung erleichterte den Pflanzenschutz – der Druck des Falschen Mehltaus hielt sich heuer in engen Grenzen. Auch Botrytis war kaum ein Problem, auch nicht gegen den Wümmet hin.

Häufiger jedoch als auch schon zeigten sich die Symptome von Esca und der Schwarzholzkrankheit, vorab in älteren Rebanlagen. Und gegen Ende der Rebjahres war in der oberen Hälfte der Laubwand oft der der Echte Mehltau zu sehen.

Es herrschte Trockenheit in diesem Sommer. Die Feldkulturen und die Wiesen litten unter akutem Wassermangel, Bewässerungswasser wurde da und dort knapp. Auch in den Reben zeigten sich die Symptome von Trockenheit. Man sah braune Ranken, und – selten zwar und nur an flachgründigen Standorten – aufgehellte oder gar verdorrte Blätter im unteren Bereich der Laubwand. Und da und dort stellten die Trauben ihr Wachstum ganz einfach ein und blieben dann in der Reife stehen.

Erstaunlich, wie gut die Reben im Allgemeinen mit der langen und extremen Trockenheit zurande kam!

Die Bodenpflege und die Laubarbeiten gestaltete sich eher einfach heuer – weder am Boden noch an den Reben war es besonders «wüchsig» in diesen Wochen. Und: Es hatte sich gelohnt, wenn man schon früh im Sommer die Begrünung zu Gunsten (Wasserkonkurrenz) der Rebe kurzgehalten hatte.

Bereits früh im August war der Blauburgunder «gescheckt», und die Reife schritt zügig voran. Die Säurewerte sanken und liessen Erinnerungen wach werden an das Jahr 2003.

Früher Wümmet
Wie erwartet begann der Wümmet früh. Bereits im August wurden über 100'000 kg Trauben gelesen, Mitte September war die Hälfte, Ende September 95 % der Ernte im Keller. Der Rest folgte in den ersten Oktobertagen. Es war ein kurzer, kompakter und stetiger Wümmet, kaum unterbrochen von Regentagen. An vier Tagen Mitte September wurden jeweils über 400'000 kg Trauben gelesen und eingekellert. «Grosskampftag» war der 19. September mit fast 500'000 kg eingekellerten Trauben. Für grosse Betriebe bedeutete dies eine enorme logistische Herausforderung.

Total konnten 2018 gut 5.5 Mio kg Zürcher Trauben gelesen werden (rund 900 g/m2 über alle Sorten) – ein Spitzenwert seit Einführung der Mengenbeschränkung im Jahr 1992. Auch die Qualität liess keine Wünsche offen – mit einem durchschnittlichen Mostgewicht von 102 °Oe beim Blauburgunder spielt der Jahrgang 2018 in der gleichen Liga wie der legendäre 2003-er!

Die Kirschessigfliege war auch heuer präsent in den Rebbergen, von Schäden wurde aber kaum berichtet.

Während des ganzen Wümmets und noch eine ganze Weile danach blieb das Rebenlaub grün, und die Geiztriebe wuchsen nochmals ein gutes Stück. Auch die Begrünung zwischen den Reihen erholte sich vom heissen Sommer und erforderte vielmals ein zusätzliches Mulchen. Und erst ganz spät gegen den November hin leuchteten die Reben dann doch noch in ihren gewohnten prächtigen Herbstfarben.

Hinweise zur Lohnkelterungen und zur Weinhandelskontrolle
Bei einer «Lohnkelterung» übergibt ein Rebbewirtschafter («Auftraggeber») Trauben aus seiner Rebfläche einem oder mehreren bei der Schweizerischen Weinhandelskontrolle (SWK) gemeldeten Einkellerern («Lohnkelterer») mit dem Auftrag, daraus Wein zu keltern.

Die Trauben und der daraus gekelterte Wein bleiben zu jeder Zeit im Eigentum des Auftraggebers.

Gemäss Weinverordnung des Bundes hat der Lohnkelterer für die Lohnkelterungen die nötigen Dokumente nachzuführen (Weinlesekontrolle, Kellerbuchhaltung) für die Zeitspanne von der Traubenannahme bis zur Abgabe des Weines an den Auftraggeber.

Wird auf der Etikette einer Lohnkelterung Name und Adresse des Lohnkelterers nicht angegeben, so unterliegt auch der Auftraggeber der Weinhandelskontrolle und hat registriert zu sein. Der Auftraggeber muss in diesem Fall für seine Flaschenprodukte eine Kellerbuchhaltung führen

In Hinblick auf eine allfällige Etikettengestaltung könnten diese Hinweise von Bedeutung sein.

Vom der Zürcher Traubenernte 2018 werden rund 16 % der Trauben (gut 850'000 Flaschen) von über 200 Auftraggebern auf diese Weise gekeltert in fast 60 Kelterbetrieben. Die Lohnkelterung hat damit den Charakter einer „innerbetriebliche Aufstockung“ auf dem Weinbaubetrieb. Sie erlaubt eine bessere Auslastung der Keltereinrichtungen und dürfte eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung haben (5 – 5 Mio Franken Kelterlohn).

Der vollständige Bericht «Rebjahr und Weinlese 2018 im Kanton Zürich» erscheint demnächst, wie gewohnt unter www.strickhof.ch .



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Michael Gölles

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