Der Wümmet hat begonnen

06.09.2018
Foto: M. Baracchi-Meier

Foto: M. Baracchi-Meier

Man mag sich kaum erinnern, dass der Wümmet so früh begonnen hätte im Kanton Zürich – die ersten Trauben der Sorte Solaris wurden am 20. August gelesen. Für eine Prognose ist es naturgemäss zu früh – die Vorfreude auf den Weinjahrgang 2018 jedoch ist gross!

 

Der «Sommer ohne Ende»
Ein Sommer wie dieser wird in Erinnerung bleiben. Wärme und Hitze, Sonne pur, und trocken über lange Tage und Wochen – 2018 wird sich weit vorne einreihen in der Statistik der «besten Jahre». Die Reben stehen schön – ganz einfach schön. Nach dem Spätfrost- und Hageljahr 2017 darf man das dankbar festhalten. Die Reife ist schon weit fortgeschritten, der Behang ist grossenteils reichlich, Krankheiten und Schädlinge boten wenig Probleme in diesem Sommer, Hagelschlag war selten und regional sehr begrenzt.

Die Trockenheit scheint im Weinbau weniger Spuren hinterlassen zu haben als in den Feldkulturen. Wasser hat zwar zweifelsohne auch den Reben gefehlt in den Wochen und Monaten mit keinen, nur lokalen oder geringen Niederschlägen. Ranken sind vorzeitig verholzt/verdorrt, Triebspitzen an den Geiztrieben wurden abgeworfen. Aber nur selten waren gelbe Blätter festzustellen. Wechseln die Blätter - von unten am Rebstock beginnend – die Farbe von grün zu gelb/hell – dann ist es wirklich trocken.

Weniger zu tun als in anderen Jahren gaben die Bodenpflege und die Laubarbeit – das Wachstum war nicht mehr sehr üppig in den trockensten Perioden.

Auf flachgründigen Standorten, wo vielleicht die eh seltenen Gewitterregen ganz ausgeblieben sind, scheint da und dort die Reife nur verhalten fortzuschreiten. Man hofft, dass die aktuell kühleren Nächte die Mostgewichte ansteigen lassen und die Aromabildung fördern.

Bereits wurden die ersten Starenschwärme gesichtet. Sind Rebschutznetze ausgebracht, sei auf das korrekte Anbringen hingewiesen – solche Netze dürfen nicht zu Fallen werden für Vögel und Igel. Aufdringlicher scheinen nun die Wespen zu werden. Um verletzte Beeren möglichst zu vermeiden, sind allenfalls geeignete Fallen am Rande der zu schützenden Flächen auszubringen.

Die Traubenpässe wurden verschickt, wir bitten um Beachtung der einschlägigen Vorgaben zum Wümmet 2018 sowie der maximalen Erntemengen, vorab in der Klasse AOC.

Kirschessigfliege (Drosophila suzukii; KEF)
Der Strickhof verfolgt – wie die anderen Weinbaukantone auch – den Flug der KEF seit Mitte August mittels der bewährten Becherfallen. Zwar lassen sich anhand der Fangzahlen (Anzahl gefangener KEF/Woche) keine konkreten Bekämpfungsmassnahmen ableiten, gleichwohl geben die Werte nützliche Hinweise auf die Präsenz und die Aktivität der KEF.

Nach anfänglich sehr tiefen Werten haben die Fangzahlen in den letzten Wochen zugenommen; die jüngsten «Regentage» mögen das Ihre dazu beigetragen haben. Die KEF ist also präsent in den Reben.

Seit 3 Wochen werden auch Proben auf Eiablage erhoben in frühen blauen Sorten (im Vordergrund Acolon und Cabernet Dorsa). Hier wurden noch keine der typischen «Ei-Schläuche» entdeckt.

Diese frühen Sorten dürften bereits (oder demnächst) «erntereif» sein. Damit hat sich das Schadenpotential der KEF erheblich reduziert - man könnte wümmen, bevor «der Essig droht».

Wir haben auf Verdacht hin einen «sehr behutsam ausgelaubten» Blauburgunderbestand mit etwas Hagelschaden ins Probennetz aufgenommen. Hier fanden sich verletzte Beeren (auch Wespen?) mit ersten Botrytis-Nestern. Hier konnte man die «normale» Essigfliege feststellen. Und: Auf diesen befallenen/verletzten Beeren und gesunden Nachbarbeeren hat die KEF offenbar mit der Eiablage begonnen.

Die Proben (Eiablage) werden in der Folge ausgedehnt auf den Blauburgunder. Sollten sich im Probennetz zur Eiablage besondere Befunde ergeben, so werden die Bewirtschafter von Reben im Kanton Zürich per Mail mit den nötigen weiteren Informationen bedient.

Gleichwohl dürfte es richtig sein, die eigenen gefährdeten Bestände ab jetzt regelmässig und sehr aufmerksam zu beobachten und die nötigen Proben zu erheben (Eiablage).

Alle nötigen Informationen sind hier zu finden:

„Drosophila suzukii im Rebbau, Empfehlungen 2018“, Agroscope Merkblatt Nr. 77 / 2018
strickhof.ch > KEF
Das Merkblatt berücksichtigt die Erfahrungen und Lehren der vergangenen Jahre. Beachten Sie insbesondere die aufgeführten präventiven Massnahmen – diese können dazu beitragen, den Druck der KEF im Rebberg erheblich zu mindern.
Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne ein gedrucktes Exemplar des Merkblattes zu.
 

Pflanzenschutzmittel gegen die KEF?
Im Merkblatt «Drosophila suzukii im Rebbau, Empfehlungen 2018“ finden sich in tabellarischer Form die nötigen Hinweise (Zeitpunkt, Dosierung/Konzentration, Indikation) für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rebbau:

Man beachte: Voraussetzung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (ausgenommen Kaolin) gegen die KEF ist weiterhin der Nachweis der Eiablage in gesunden Trauben-beeren.

Das obgenannte Merkblatt «Drosophila suzukii im Rebbau, Empfehlungen 2018» beschreibt, wie man diese Eiablage feststellen kann – immer noch kein ganz einfaches Unterfangen, und ohne eine wirklich gute Lupe kaum mit der nötigen Sicherheit zu schaffen.

Die in der Tabelle erwähnte kantonale Sonderbewilligung wurde erteilt für das Gebiet des Kantons Zürich; man beachte die mit dem Traubenpass an die Bewirtschafter von Reben im Kanton Zürich verschickten Unterlagen

Beachten Sie unbedingt die Auflagen für den Einsatz der zugelassenen Pflanzenschutzmittel (Bienenschutz, Personenschutz, Abstände zu Gewässern usf.).

weitere Informationen zur KEF:

  • wie in den letzten Jahren betreibt Agroscope eine Internetseite mit allen Merkblättern sowie   allen verfügbaren und praxisrelevanten Informationen zur KEF, auch für den Rebbau:    www.agroscope.admin.ch . Beachten Sie hier auch die beiden Sonderausgaben der Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau SZOW Nr. 14 und 15, 2017.
  • im Weiteren sind einschlägige Informationen auch zu finden unter:  www.strickhof.ch
    Sie finden hier u.a. auch das Merkblatt «Mit Kaolin gegen die Kirschessigfliege im Weinbau», Hrsg. Forschungsinstitut für biologischen Weinbau FIBL, Merkblatt 1073
  • wer einen Blick über die Grenzen werfen möchte, findet Informationen beim   Julius Kühn-Institut (JKI) unter https://drosophila.julius-kuehn.de/


Zusätzliche Informationen zum Inhalt

Kontakt

Michael Gölles

Michael Gölles

Fachstelle Rebbau SH-TG-ZHTelefon:+41 58 105 93 02E-Mail:Infos zur Person
Mirjam Blunschi

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Fachstellen & DienstleistungenTelefon:+41 058 105 91 20E-Mail:Infos zur Person