Ein erfolgreiches Projekt von Strickhof-Lernenden führte zur ökologischen Aufwertung der Obstanlage in Lindau

06.09.2016

Die Obstanlage am Strickhof in Lindau bietet neu auch vielen Tieren einen Lebensraum. Wie eine Aufwertung konkret und erfolgreich vonstatten geht, davon konnten die Interessierten auf einem Rundgang selbst einen Augenschein nehmen.

Die Theorie in der Praxis anwenden, dabei Lernende verschiedener Lehrgänge einbinden und gleichzeitig einen Mehrwert in Form eines Vorzeige-Projektes für den Ausbildungs- und Versuchsbetrieb generieren, und erst noch mit ökologischem Vorzeichen – die ökologische Aufwertung der Obstanlage am Strickhof in Lindau als Projekt der Höheren Fachschule bringt genau all dies mit sich.

Bessere Bestäubung, Bekämpfung von Mäusen
Am Anfang des Projektes stand eine Anfrage von Andreas Köppel, Leiter Obstbau, an Barbara Stäheli, zuständig für Biodiversität am Strickhof. Dabei ging es um die Idee, die Obstanlage mit mehreren Massnahmen ökologisch aufzuwerten, um die Produktion zu unterstützen: insbesondere mit Wildbienenhotels die Verbreitung von Wildbienen zu fördern sowie Mäusefeinde in die Anlage zu locken. Der Grund für die Unterstützung der Wildbienen: Sie gehören nebst den Honigbienen zu den wichtigen Bestäubern von Nutz- und Wildpflanzen. In den letzten Jahren hat ihr Bestand jedoch abgenommen und einige spezialisierte Arten sind heute sogar vom Aussterben bedroht. Dass Wühlmäuse wohl die Tiere sind, die den grössten Schaden in Obstanlagen anrichten, ist unbestritten. Sie fressen die Wurzeln von Obstbäumen an und führen damit zu grossen Ertragsausfällen verbunden mit wirtschaftlichen Einbussen. Jegliche Hilfe, die der Bekämpfung der Wühlmaus dient, ist daher bei Obstbauern willkommen – so auch das Anlocken der Mäusefeinde Wiesel, Raubvögel und Fuchs. Dazu gehört u.a. das Schaffen von Unterschlupf- Überwinterungs- oder Nistmöglichkeiten.

Umsetzung zusammen mit Lernenden
Andreas Köppel stiess bei seiner Kollegin Barbara Stäheli auf offene Ohren. Zusammen mit den Lehrpersonen und Absolventinnen und Absolventen der Höheren Fachschule für Agrarwirtschaft sowie mit Unterstützung der Strickhof Hofmitarbeiterinnen und –mitarbeitern wurde ein Projekt zur Umsetzung lanciert, Finanzierung des Projektes durch Privatpersonen und Firmen inklusive. Die Resultate der Umsetzung konnten die Interessierten am Abend des 31. Augustes auf einem Rundgang bestaunen. Die Erklärung und Hintergründe der etwas ungewohnten Installationen lieferte nebst Barbara Stäheli und Andreas Köppel auch David Szalatnay, Berater Fachstelle Obst. Ungewohnt, weil man bei den drei Sitzwarten für Raubvögel rund um die Obstanlage zuerst an ein ausgestecktes Baugerüst denkt. Aber auch bei den Steinhaufen mit Hohlräumen als Unterschlupf für Wiesel und Co denkt man eher an einen Bauplatz als an eine Obstanlage. Dasselbe gilt für die kiesigen so genannten Ruderalflächen, auf denen nur sehr widerstandsfähige Pflanzen wachsen und die einheimischen Insekten einen eigenen Lebensraum schaffen sollen. Eindrücklich erklärten die Referentin und die Referenten die direkte und indirekte Mäusebekämpfung: An den Mäusen, gefangen in den aufgestellten Mäusefallen, können sich die Mausräuber Fuchs, Wiesel oder Katze durch die genial konstruierte Mausefalle gleich selbst bedienen. Zusätzlich wurde entlang der Haupt-strasse ein Mäusezaun montiert. Dieser ist sehr feinmaschig und hindert die Mäuse daran, in die Obstanlage einzudringen.
«Sowohl die Rosen als auch der Blühstreifen dienen den Bienen nach der Obstblüte als wichtige Trachtquellen in der restlichen Saison - neben der Tatsache, dass sie wahre Augenweiden sind», so die Erklärung von Barbara Stäheli zum Blühstreifen entlang dem Zaun auf einer Seite der Obstanlage. Denn schon ein schmaler Blühstreifen  produziere viel Nahrung für Wild- und Honigbienen. «Wild- und Honigbienen befruchten beim Sammeln von Pollen und Nektar nebenbei auch unsere Fruchtbäume», so die Expertin weiter. Wie man eindrücklich sah, haben sich die jungen Rosenstöcke in der Obstanlage gut entwickelt. Wie David Szalatnay erläuterte, wurden Rosenstöcke in früheren Zeiten in Reb- und Obstanlagen als Frühwarnsystem für Pilzinfektionen gepflanzt: Waren die Rosen von Mehltau befallen, mussten auch die Kulturen behandelt werden. Mit einem Augenzwinkern meinte der Obstbau-Berater weiter: «Heutzutage dienen die Rosen als 'Mitbringsel für die Frau zuhause', wenn der Arbeitstag wieder einmal allzu lange dauerte».
Dass die ökologische Aufwertung die Produktion nicht stört oder behindert, eine Grundvoraussetzung für das Projekt, bewies anschliessend der feine Apéro mit Strickhof-Obstprodukten: Apfel-Schaumwein, frische Zwetschgen und getrocknete Apfelringli boten den Besucherinnen und Besuchern nach dem Rundgang angenehme Erfrischung.
Ein Besuch der Anlage mit den verschiedenen Installationen ist auch ohne Führung möglich: Ein Flyer, beim Strickhof-Sekretariat zu beziehen, sowie die am Zaun aufgehängten Plakaten informieren bestens.


Konkrete Ausstattung mit ökologischen Massnahmen
600 m2 kiesige Flächen mit lockerem Bewuchs (Ruderalfläche)
150 m2 Blühstreifen und 20 Rosenbüsche
9 Wildbienenhotels ausgestattet mit verschiedenen Materialien
diverse Steinhaufen mit Hohlräumen
3 Sitzwarten als Sitzwarten für Raubvögel
eine Steinkauzröhre



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