Düngung Aktuell KW 7/2016

19.02.2016
Solch gelbe Gerstenbestände keinesfalls früher oder höher andüngen

Solch gelbe Gerstenbestände keinesfalls früher oder höher andüngen

Erste N-Gabe im Getreide und Raps - zurückhaltend andüngen!

Getreidefrüh- und -normalsaaten sind dieses Frühjahr vielerorts sehr üppig und müssen daher sehr zurückhaltend angedüngt werden. Das Gleiche gilt auch für üppige Rapsbestände. Optimaler Düngezeitpunkt bleibt Anfang bis Mitte März.

Nach dem Jahrhundertsommer und -herbst 2015, gefolgt von einem frühlingshaften  Winter, konnten sich Wintergetreide und Raps seit Saatbeginn fast ungehindert entwickeln. Raps, Früh- und Normalsaaten von Wintergetreide (Weizen, Gerste, Roggen & Triticale) erreichen denn jetzt auch Entwicklungsstände, wie sie sonst erst Mitte/Ende März zu beobachten sind!

Der gegenwärtige Entwicklungsvorsprung kann zu Problemen in der Bestandesentwicklung führen, wenn wir jetzt die erste N-Gabe falsch bemessen und terminieren

Entgegen all unserer Erwartungen konnten Mitte Februar in Getreideparzellen (0-60 cm) trotz Trockenheit im vergangenen Sommer keine erhöhten Strickstoffvorräte (=Nmin-Gehalte) festgestellt werden. Im Durchschnitt wurden 2016 34 kg N/ha gemessen, dies entspricht weitgehend dem langjährigen Durchschnitt von 32 kg N/ha! Der Grund für die doch unerwartet tieferen Werte, dürfte in entsprechenden Auswaschungsverlusten liegen, die durch einen der nassesten Januare seit Messbeginn verursacht worden sind.  

 

Getreide - üppige Bestände jetzt keinesfalls weiter puschen!

Da alle Getreidebestände bis Ende März/Anfang April noch weiter bestocken werden, laufen Früh- & Normalsaaten grosse Gefahr, dass sie zu üppig werden.

In solchen Beständen darf nur gerade so viel Stickstoff gedüngt werden, dass keine weiteren Bestockungstriebe gebildet werden und gleichzeitig die bereits vorhandenen schwächeren Triebe zu Gunsten der starken Triebe zurückgebildet werden.  

In Weizenfrühsaaten mit aktuell 3 - 5 starken Trieben/Pflanze empfehle ich daher als erste N-Gabe nicht mehr als 30 kg N/ha einzusetzen. Die gleiche Einsatzmenge gilt auch für Spätsaaten von Gerste, Roggen und Triticale.

Noch tiefer anzudüngen sind Normalsaaten von Gerste, Roggen und Triticale. Hier reichen 20 kg N/ha.  

In Weizennormalsaaten mit max. 3 starken Trieben/Pflanze kann die erste N-Gabe auf 40 kg  erhöht werden.  

Spät gesäte Winterweizenbestände mit einem starken Trieb/Pflanze, die kaum Gefahr laufen, zu üppig zu werden, können auch dieses Jahr mit rund 50 kg N/ha angedüngt werden, mehr ist nicht nötig.

Was den Zeitpunkt anbelangt, reicht es aus, wenn die N-Düngung frühestens Anfang März erfolgt!  Dies gilt auch für gelbe Gerstenfelder!  Die Wirkung ist sicherer.

Achtung: In üppigen Beständen darf die Anschlussgabe im Zeitpunkt des Schossens (= zweite N-Gabe) frühestens dann erfolgen, wenn die schwächeren Triebe deutlich erkennbare Abbausymptome aufweisen, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bestockung noch einmal unnötig aktiviert wird!

Um die erforderliche Schwefelversorgung sicherzustellen, sollte die erste N-Gabe in Form eines schwefelhaltigen N-Düngers (z.B. Mg-Ammonsalpeter + S (24N/7S) oder Bor-Ammonsalpeter (26N/14S)) ausgebracht werden. Auch Gülle kann diesbezüglich eingesetzt werden! 

Raps - im Normalfall 50 - 60 kg N/ha als erste Gabe einsetzen!

Viele Rapsbestände haben bis jetzt 10 - 14 Blätter gebildet und sind entsprechend üppig!

Eine hohe Gabe in solchen Beständen im jetzigen Zeitpunkt fördert einseitig nur die Blattmasse und unterdrückt damit die Entwicklung der für hohe Erträge wichtigen Seitenknospen. Ziel ist es nicht, eintriebige, hochwüchsige Pflanzen zu erzielen, sondern kurze, stark verzweigte!

Im erwähnten Fall empfehle ich zu Vegetationsbeginn Anfang März daher nicht mehr als 50 - 60 kg N/ha auszubringen. Sind die Bestände allerdings deutlich schwächer entwickelt - weniger als 8 Blätter, so ist die erste Gabe bis auf 80 kg/ha erhöhen.

Zwei bis drei Wochen später, zu Beginn des Streckens, sind als zweite N-Gabe weitere 60 - 90 kg N/ha zu düngen. Steht ab diesem Zeitpunkt dem hohen N-Bedarf des Rapses ein entsprechendes N-Angebot gegenüber, kann auch mit hohen Erträgen gerechnet werden!

Wie jedes Jahr ist bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung zu tragen. Auf Hochrisikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) sind rund 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten dagegen reichen 20 - 40 kg. Mehr sollte nicht eingesetzt werden (Auswaschung!). Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge in die erste Gabe fallen.

Als Dünger empfehle ich Ammonsulfat (21N/24S). Um die erforderliche Bor-Versorgung und gleichzeitig auch noch bestehende Schwefeldefizite sicherzustellen, kann als Abschlussgabe Bor-Ammosalpeter (26N/14S) eingesetzt werden. Falls Gülle oder Gärgut flüssig verwendet werden, sollte zumindest eine der Teilgaben in Form von Bor-Ammonsalpeter erfolgen.

Hin und wieder sind rotviolettfarbene Rapsbestände oder Teilbereiche zu beobachten. Hier handelt es sich um Phosphormangel, der durch Luftarmut im Boden verursacht wird, meist eine Folge von Bodenverdichtungen. Sobald es deutlich wärmer wird, werden die Symptome wieder verschwinden, sofern ausreichend Phosphor gedüngt wurde.

Da Raps auf Bodenverdichtungen sehr empfindlich reagiert, sind solche stets zu vermeiden!

Strickhof Beratungsdienst

René Gämperle

 

 



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