Düngung aktuell Februar 2015

24.02.2015
Diesen Gerstenbestand unbedingt zurückhaltend andüngen. (Bild: René Gämperle)

Diesen Gerstenbestand unbedingt zurückhaltend andüngen. (Bild: René Gämperle)

Startdüngung in Getreide & Raps - Empfehlungen 2015

Kräftige Wintergetreidebestände sind zurückhaltend anzudüngen. Üppige Rapsbestände mit Blattverlusten gleich andüngen wie optimale Bestände.

Noch liegt in den höheren Lagen des Kantons Schnee, aber trotzdem geht ein weiterer nicht allzu kalter und allzu nasser Winter dem Ende entgegen. Somit ist es wieder höchste Zeit, Empfehlungen über die bevorstehende Startdüngung in Wintergetreide und Raps abzugeben.

Wintergetreide - kräftige Bestände zurückhaltend andüngen

Wintergerste, Winterroggen und frühgesäter Winterweizen und Wintertriticale konnten sich dank mildem Herbst sehr gut entwickeln und sind denn jetzt auch entsprechend gut bestockt. Da die Bestockung erst Anfang April endet, laufen solche Bestände Gefahr, bei zu hoher 1. N-Gabe zu üppig zu werden.

Wintergetreide braucht in der ersten Phase auch bei hohen Ertragserwartungen relativ wenig Stickstoff. Zudem trägt der Boden auch dieses Jahr mindestens 15 - 20 kg N/ha zur Stickstoffversorgung der Bestände bei.

Aus diesen Gründen empfehlen wir Ihnen zur Startdüngung folgende N-Gaben:

  • Winterweizen:  40-50 kg N/ha
  • Wintergerste:  30-40 kg N/ha
  • Wintertriticale:  30-40 kg N/ha
  • Winterroggen:  20-30 kg N/ha

In Beständen, die drohen zu üppig zu werden, sollte eher die untere Einsatzmenge gewählt werden. Gleiches gilt auch bei hohem N-Nachlieferungspotenzial des Standortes (organische Böden, regelmässiger Hofdüngereinsatz, Kunstwiese als Vorkultur). Auch Hybridgerstenbestände, die schon jetzt mehr als vier Bestockungstriebe pro Pflanze ausgebildet haben, sollten nicht mehr als 30 kg N/ha als Startgabe erhalten.

Um auch den Schwefelbedarf des Getreides von 10-20 kg/ha sicherzustellen, empfehlen wir, besonders auf Risikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) den Einsatz vom Mg-Ammonsalpeter mit Schwefel.

In Spätsaaten ist aufgrund des noch spärlichen Wurzelvolumens ebenfalls Ammonsalpeter vorzuziehen. Infolge des beschränkten Aneignungsvermögens kann es in solchen Beständen zusätzlich empfehlenswert sein, die Startgabe um 10 kg/ha zu erhöhen.

Gülle und flüssiges Gärgut eignen sich ebenfalls hervorragend zur Abdeckung der 1. N-Gabe. Mit Einsatz der Schleppschlauchtechnik kann zudem die N-Effizienz verbessert werden.

Erfahrungsgemäss reicht es in Wintergetreide, die erste N-Gabe Anfang bis Mitte März auszubringen. Bei Wintergerste, die schon früh vielerorts gelb geworden ist, sollte die Startgabe bei der erstbesten Gelegenheit ausgebracht werden, sofern es die Standorts- und Witterungsbedingungen erlauben. Keinesfalls Dünger auf Schnee, stark gefrorenen oder wassergesättigten Boden ausbringen!

Üppige Rapsbestände mit Blattverlusten gleich andüngen wie optimale Bestände

Dank mildem Herbst konnten sich auch die Rapsbestände, vor allem Frühsaaten, sehr üppig entwickeln. Infolge unzureichender Schneedecke und stürmischer Bise Anfang Februar haben viele dieser üppigen Bestände im Unterland und Weinland denn auch 1/3 bis 1/2 der älteren Blätter eingebüsst. Da der Vegetationskegel in der Regel intakt geblieben ist, bringt dieser Blattverlust keinen Nachteil.

Ein optimaler Rapsbestand sollte ausgangs Winter 30 bis 45 kräftige Pflanzen/m2 aufweisen. Zudem sollte jede Pflanze über 8 bis 12 Blätter verfügen.

In optimalen Beständen mit 8 bis 12 Blättern/Pflanze empfehlen wir 50 % der zu verabreichenden Gesamt-N-Gabe auszubringen. Dies entspricht  70 - 80 kg N/ha.
In üppigen Beständen mit mehr als 12 Blättern/Pflanze höchstens 40 %. Dies sind 55 – 65 N/ha. Falls Blattverluste zu verzeichnen sind, ist der Bestand gleich zu düngen wie ein optimaler Bestand.
Und in schwachentwickelten Beständen mit weniger als 8 Blättern/Pflanze schliesslich sollte etwa 60 % der Gesamt-N-Menge als Startgabe verabreicht werden. Dies entspricht 80 – 90 kg N/ha. Bei deutlich niedrigeren Bestandesdichten sind die genannten Einsatzmengen entsprechend zu reduzieren.

Sofern es die Standorts- und Witterungsbedingungen erlauben, ist die erste N-Gabe auf Anfang März zu legen. Zwei bis drei Wochen später, zu Beginn des Streckens, ist als Abschlussgabe schliesslich die restliche N-Menge zu verabreichen.

Auch hier gilt, keinesfalls Dünger auf Schnee, stark gefrorenen oder wassergesättigten Boden ausbringen.

Wie jedes Jahr muss bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung getragen werden. Auf Hochrisikostandorten (siehe Getreide) sind 50 - 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten reichen 20 - 40 kg. Mehr sollte wegen der Auswaschungsgefahr nicht eingesetzt werden. Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge zusammen mit der ersten N-Gabe ausgebracht werden. Als Dünger empfehlen wir Ammonsulfat (N21/S24) oder Bor-Ammonsalpeter mit Schwefel (N26/S14). Letzter stellt gleichzeitig auch die erforderliche Bor-Versorgung sicher. Kommen keine borhaltigen N/S-Dünger zum Einsatz, kann Bor auch zu einem späteren Zeitpunkt mittels einer Borspritzung verabreicht werden.

Noch bestehende Schwefeldefizite können zum Zeitpunkt der Abschlussgabe entweder über Mineraldünger (Bor-Ammonsalpeter, Mg-Ammonsalpeter, Ammonsulfat) oder über Gülle gedeckt werden.



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