Spezialkulturen im Obstbau kennenlernen

09.05.2014

Als Teil der Grundbildung für die Ausbildung zum Fachmann für Obstbau wurden im Wahlpflichtfach spezielle Obstkulturen, wie Baumnuss, Tafeltraube, Aronia oder Minikiwi in Theorie und auf Praxisbetrieben unterrichtet.

Volle  zwei Tage widmeten sich Anfang April die Obstbauschüler im dritten Lehrjahr vom Strickhof dem Thema „Spezialkulturen im Obstbau“. Ziel des Sonderunterrichts war es, Obst- und Beerenarten kennenzulernen, die nicht zu den Standardkulturen, wie Apfel, Birne, Kirsche oder Erdbeere, Himbeere gehören. Das sind zum Beispiel Aprikosen, Minikiwi, Kiwi, Tafeltrauben, Baumnüsse, Holunder und noch viele andere Fruchtpflanzen, die sich zum Anbau in unseren Breitengarden eignen, aber bisher wenig angebaut werden.

Gründe für den Anbau besonderer Obstarten

Warum Betriebe den Anbau von speziellen Obst- und Beerenarten aufnehmen kann verschiedene Gründe haben. Hier einige der wichtigsten Motive, die der Fachlehrer Hagen Thoss während des Unterrichts aufzählte:

  • Neue Marktchancen durch Nischenprodukte
  • Bodenansprüche geeignet
  • Kulturansprüche passen zum Betrieb
  • Lust auf Neues („Abenteurerinstinkt“)
  • Fruchtwechsel mit bisherigen Kulturen nicht möglich
  • Arbeitsspitzen fallen ausserhalb der bisherigen an
  • Kulturen die wenig betreuungsintensiv sind

Es gibt bereits viele Betriebe, die erfolgreich mit diesen Obstarten arbeiten und das beste Beispiel sind die Kulturheidelbeeren, die bis vor 30 Jahren nur von wenigen Spezialbetrieben angebaut wurden und heute bereits zu den Standardkulturen im Beerenbau zählen, deren Anbaufläche die der Brombeere deutlich übersteigt.

Theorie und Praxis

Neben der Theorie, d.h. der Vermittlung der botanischen Grundlagen, der möglichen Anbauverfahren, der Ansprüche der Pflanzen bis zu den Verwertungsmöglichkeiten der Früchte darf die Praxis im Unterricht nicht fehlen. Dazu besuchten die Lernenden am zweiten Kurstag bei besten Wetterbedingungen zwei Betriebe im Zürcher Unterland, die über jahrzehntelange Erfahrung mit speziellen Obstarten verfügen. Das sind die beiden Betriebe in Truttikon: Familie Zahner mit einer stattlichen Baumnussplantage aus den 60er Jahren und gleich nebenan der Betrieb Keller, der sich seit rund 25 Jahren mit dem Anbau von Minikiwi beschäftigt.

Seit 40 Jahren Walnüsse aus Truttikon

Martin Zahner schilderte der Obstbauklasse ausführlich seine Erfahrungen aus 40 Jahren Anbau von Nussbäumen. Sortenwahl, Unterlagen, Anbausysteme, Ernteverfahren und Pflanzenschutz waren einige der vielen Argumente beim Fachgespräch im Nussbaumhain. Auf die zahlreichen Fragen der Berufsschüler wusste er kompetent und praxisnah Antwort zu geben. „Die Sorten Mars und Geisenheim 139 haben sich auf meinem Betrieb positiv bewährt, hingegen die ungarische Esterhazy als bakterioseanfällige Sorte ersetz werden musste“ berichtet Martin Zahner auf die Frage nach seinen Erfahrungen mit den Sorten. Verkauft werden die getrockneten Nüsse und auch das daraus gewonnene Nussöl erfreut sich grosser Nachfrage bei den Kunden.

Minikiwi oder Kiwibeeren?

Egal, wie man die kleinfruchtige Schwester der bekannten Neuseelandkiwi nennt. Diese aus Ostasien stammende Beerenart wird bereits seit rund 30 Jahren in der Schweiz angebaut und einer der Pioniere im Anbau der starkwachsenden Schlingpflanze ist David Keller aus Truttikon. Auf seinem Feld stehen die weiblichen Sorten Ambrosia und Weiki, und als Befruchter dient die Sorte Nostino. Am Besuchstag Anfang April war gut zu sehen, wie die Frostnächte Ende März den Austrieb teilweise geschädigt hatten. Spätfröste sind eines der grössten Probleme beim Anbau der ansonsten anspruchslosen und robusten Pflanze. Im Sommer hat sie einen hohen Wasserbedarf und ab Mitte September beginnt die Ernte der aromatischen glattschaligen Beeren in der Grösse von Brombeeren. Minikiwis oder Kiwibeeren sind in den letzten Jahren vermehr ind ganz Mitteleuropa angebaut worden. Doch die Ernte und Vermarktung sind bei dieser seltenen Obstart keine einfache Herausforderung. Mit vielen interessanten  Eindrücken und Informationen kehrten die angehenden Obstfachleute an den Strickhof zurück.

 



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