Lehrfahrt der Abschlussklasse Obstbau EFZ

27.05.2013

Vergangene Woche stand auf dem Stundenplan der zukünftigen Obstfachleute eine Lehrfahrt zum Thema Beerenanbau. Ziel der Exkursion waren insgesamt drei Betriebe in den Kantonen Sankt Gallen und Thurgau mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung.

Brombeeren im Substrat als neue Kultur

Die erste Station der 8 Obstbauschüler mit ihrem Fachlehrer Hagen Thoss war der Betrieb Troxler oberhalb von Goldach, wenige Kilometer westlich von St. Gallen. Ein Beerenbaubetrieb der, geführt von Paul und Karin Troxler, als der letzte Betrieb in der Region auch Selbstpflücke anbietet. Die ersten reifen Erdbeeren der Sorte Flair waren im Feld mit Tunnelabdeckung zu sehen. Neben den Tunnelkulturen (siehe Bild) und Substratkulturen am Boden werden Erdbeeren und Himbeeren auch im Freiland angebaut. Bei den Sommerhimbeeren wird verstärkt auf den einjährigen Anbau gesetzt. Seit drei Jahren werden auch Heidelbeeren in grossen Substrattrögen kultiviert und liefern erste Erträge. Als neue Kultur stellte Paul Troxler den Schülern die Brombeeren im Substrat vor. Drei Sorten stehen im Feld und hier werden, ähnlich wie bei den Himbeeren, so genannte Long-Canes als Pflanzenmaterial verwendet, d.h. ausgewachsene Ruten die gekühlt überwintert werden bis zur Pflanzung und im Pflanzjahr bereits den ersten Ertrag bringen.

Vermehrung von Himbeerpflanzen im Detail erfahren

Bei der zweiten Station der Reise erlaubte der Betrieb Hengartner Pflanzen in Neukirch-Egnach (TG) einen tiefen Einblick in die Vermehrung von Beerenobstjungpflanzen. Beeindruckend war für die Schüler der Blick in alle Teilschritte der aus der Laborvermehrung stammenden Jungpflanzen. Die Jungpflanzen von Himbeeren und Brombeeren begleiteten die werdenden Obstfachleute auf dem Weg von der sterilen Laborphase mit Kunstlicht (siehe Bild), beim Pikieren ins Substrat, über die Gewächshausphase und schliesslich zur Abhärtung (Akklimatisation) im Folienhaus und Freiland, bis hin zur pflanzfertigen Jungpflanze. Nur die hohe Spezialisierung des Betriebes ermöglicht es, so hochwertiges Pflanzmaterial als Basis für Beerenanbauer in der Schweiz und im Ausland in grossen Mengen zu produzieren. Neben der hochtechnischen Meristemvermehrung über das Labor, konnten die Schüler im Betrieb Hengartner auch die traditionelle Methode der Stecklingsvermehrung mittels Wurzelstücken kennen lernen. Für die Lernenden ein nicht alltäglicher Einblick in einen Spezialbetrieb der Beerenbranche.

 

Vielfältig, intensiver, am Grössten – Peter Knup und Melis Beeren

Nach einer Stärkung am Mittag im traditionellen Gasthaus Sternen in Egnach auf dem Thurella-Areal ging es am Bodensee westwärts nach Kesswil zum Betrieb Peter Knup und Melis Beeren. Bruno Edelmann als Pflanzenberater und Verantwortlicher für den Pflanzenschutz führte uns durch den Betrieb, der über 80 ha Flächen umfasst. Peter Knup ist damit der grösste Beerenobstproduzent der Schweiz. Für die Strickhof-Schüler/innen war das Interessante an diesem Betrieb nicht die Grösse, sondern dass es hier fast alle Beerenobstarten und auch alle wichtigen und neuen Anbausysteme zu sehen gibt. Seit Anfang Mai läuft die Erdbeerernte in den teilweise geheizten Folienhäusern. Das technische Herzstück des Betriebes ist das 1,5 ha grosse Folienhaus mit Stellagensystem für die Substratkultur (siehe Bild). Um die hohen Investitionskosten zu erwirtschaften müssen drei Ernten in einem solchen Haus realisiert werden. Und die Pflückleistung in einem solchen Haus liegt bei rund 30 kg/Std. Genau konnten die Schüler die satzweise Produktion der Erdbeeren in unterschiedlichen Rinnensystemen und Folienhäusern aus nächster Nähe kennen lernen. Neben der Hauptkultur Erdbeere führte Bruno Edelmann auch Himbeeren und Brombeeren im Substrat und als Bodenkultur vor. Zusätzlich zu den verschiedenen Kulturverfahren zeigte er auch die diversen Witterungsschutzsysteme, die im Betreib Verwendung finden. Dann gab es auch noch Heidelbeer- Johannisbeer- und Stachelbeerfelder zu sehen und im Betriebsgebäude gab es eine Lektion zum Thema Kühllagerung (Schnellkühlung) und Etikettierung/Verpackung von Beerenobst. Ein perfekter Betrieb, um möglichst viel zur Praxis im Beerenanbau zu lernen.

Die zahlreichen Fragen an die Betriebe und die Aufmerksamkeit der Lernenden zeigten deutlich, dass die Fachexkursion sicherlich bleibende Informationen und Eindrücke hinterlassen hat.

 



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