Düngung aktuell vom 22.2.2013

22.02.2013

Startdüngung Wintergetreide & Raps 2013

Noch herrscht Winter, trotzdem ist es bereits höchste Zeit sich Gedanken über die bevorstehende Startdüngung  in Wintergetreide und Raps zu machen

Der vergangene Winter war nicht allzu kalt, aber einer der schneereichsten. Frostschäden sind dieses Frühjahr daher kaum zu beobachten. Hingegen haben viele Getreide- und Rapsbestände unter den häufigen Niederschlägen und ständigen Bodennässe zur Saat und während des Winters gelitten. Die Folgen sind einerseits meist ein schlecht entwickeltes Wurzelwerk und anderseits höhere Schwefel- und Stickstoffverluste als in trockeneren Wintern insbesondere auf flachgründigen und leichten Standorten. Dieses Wissen ist bei der Planung der Startdüngung 2013 unbedingt zu berücksichtigen.

 

Getreide – in schwach entwickelten Beständen sowie auf Standorten mit hohem Auswaschungsrisiko schwefelhaltige Nitratdünger einsetzen

Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale befinden sich alle in der Bestockungsphase. Grössere Entwicklungsunterschiede bestehen aufgrund der langen Saatperiode hauptsächlich bei Winterweizen. Diese reichen von 3-Blattstadium (DC13) bis hin zur Bestockung (DC23). Extrem dichte Getreidebestände sind dieses Frühjahr aufgrund der nassen Witterung in den vergangenen Monaten kaum auszumachen. 

Da bei Wintergetreide der N-Bedarf erst mit Beginn Schossen (DC31) stark ansteigt, sollte die erste N-Gabe keinesfalls zu hoch angesetzt werden. Um den N-Bedarf der Bestockungsphase sicherzustellen, empfehlen wir ihnen folgende Startgaben:

  • Winterweizen:    40 - 50 kg N/ha
  • Wintergerste:     30 - 40 kg N/ha
  • Wintertriticale:   30 - 40 kg N/ha
  • Winterroggen :  20 - 30 kg N/ha

Die oberen Mengen gelten eher für hohe Ertragserwartungen. In schwach entwickelten Beständen mit geringem Wurzelwerk sowie auf Standorten mit hohem Auswaschungsrisiko (leichte, flachgründige, humusarme Böden) empfehlen wir den Einsatz eines schwefelhaltigen Nitratdüngers (z.B. Mg-Ammonsalpeter mit Schwefel). In allen andern Fällen kann als Startgabe auch Gülle eingesetzt werden. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollte die Gülle allerdings kurz vor Vegetationsbeginn (Ende Februar/Anfang März) verabreicht werden, sofern es die Standortsbedingungen erlauben.  

 

Raps - Bestandesentwicklung und -zustand entscheidet über die Höhe der Startgabe

Im Gegensatz zu den Vorjahren konnte sich Raps aufgrund der kürzeren Vegetationszeit im Herbst deutlich weniger weit entwickeln. Üppige Bestände fehlen dieses Jahr weitgehend. Viele Bestände zeigen jedoch deutliche Probleme mit der permanenten Bodennässe.  

Wie hoch die Startdüngung bei Raps dieses Jahr ausfallen muss, hängt im Wesentlichen vom gegenwärtigen Entwicklungszustand sowie vom Zustand der Pflanzen ab. Üppige Bestände (Pflanzen mit mehr als 10 Blättern) sollten nicht zu hoch angedüngt werden, schwach entwickelte Bestände nicht zu tief.

Ein optimaler Rapsbestand sollte jetzt 35 - 45 kräftige Pflanzen/m2 (Hybridsorten) bzw. 45 - 55 Pflanzen/m2 (Liniensorten) aufweisen.

In optimalen Beständen mit 8 – 10 Blättern/Pflanze empfehlen wir als Startgabe etwa 50 % der zu verabreichenden Gesamt-N-Menge. Dies entspricht  70 - 80 kg N/ha.

In üppigeren Beständen mit mehr als 10 Blättern/Pflanze, sofern solche überhaupt vorhanden sind, 40 %. Dies sind 55 – 65 N/ha.

In schwachentwickelten Beständen mit weniger als 8 Blättern/Pflanze sollten schliesslich etwa 60 % der Gesamt-N-Menge als Startgabe verabreicht werden. Dies entspricht 85 – 95 kg N/ha.

 

Zwei bis drei Wochen später, zu Beginn des Streckens, ist als Abschlussgabe die restliche N-Menge von 55 - 90 kg N/ha zu verabreichen.

Wie jedes Jahr ist bei der Rapsdüngung auch dem hohen Schwefelbedarf Rechnung zu tragen. Auf Hochrisikostandorten (leichte, flachgründige, humusarme Böden, fehlende Zufuhr organischer Dünger) sind bis 60 kg S/ha einzusetzen; auf den übrigen Standorten dagegen reichen 20 - 40 kg. Mehr sollte nicht eingesetzt werden (Auswaschung!). Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss Schwefel bzw. die Hauptschwefelmenge in die erste Gabe fallen.

Für die Rapsdüngung empfehlen wir Bor-Ammonsalpeter mit Schwefel (N26/S14). Damit wird auch gleichzeitig die erforderliche Bor-Versorgung sichergestellt. Gülle ist aufgrund der Schwefelform als Startdünger weniger geeignet. Kommen keine borhaltigen N/S-Dünger zum Einsatz, kann Bor auch in einem späteren Zeitpunkt mittels einer Blattspritzung verabreicht werden.

Noch bestehende Schwefeldefizite können im Zeitpunkt der Abschlussgabe entweder über Mineraldünger (Bor-Ammonsalpeter + S, Mg-Ammonsalpeter + S) oder über Gülle gedeckt werden.

 

Zu Nassstellen, Abstand einhalten

Die Böden haben diesen Winter sehr viel Wasser erhalten. Dort, wo das Wasser vom Boden nicht mehr geschluckt werden konnte, sind nun regelmässig Wasserlachen oder Wasseraustritte in den Feldern zu beobachten. In diesem Frühjahr ist daher das Risiko für Gewässerverunreinigungen besonders hoch. Um die Gefahr von Gewässerverschmutzungen möglichst gering zu halten, ist bei der Düngung insbesondere bei Einsatz von flüssigen Hof- & Recyclingdüngern zu Nassstellen, aber auch zu Oberflächengewässern und Gewässerschutzzonen ein ausreichend grosser Abstand einzuhalten.

Solange noch Schnee liegt, ist jegliche Düngung zu unterlassen.

 



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