Strickhof Pensionspferde-Tag vom 31. März

03.04.2017

Wie teuer ist das Glück der Erde wirklich?

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Viele Pferdebesitzer leben diesen Vorsatz und wollen ihre Lieblinge gut versorgt wissen. Was bedeutet dies aber für den Pensionspferdehalter? Wie viele der Kundenwünsche sind zu erfüllen und welche Dienstleistung darf man sich bezahlen lassen?

«Der Kunde ist König, solange er sich königlich benimmt» mit diesen Worten eröffnet Andreas Rüsch, Leiter der Fachstellen und Dienstleistungen des Strickhofs, den Pensionspferde-Tag in Lindau. Darüber hinaus las er aus seinem Betriebsheft aus Lehrzeiten vor – diplomatisch berichtet er von «Spannungen», die zwischen Pferdebesitzern und Landwirt auch schon vor 25 Jahren bestanden. Unterschiedliche Erwartungshaltungen, der Konkurrenzdruck am Markt und eine fehlende Kostentransparenz sind häufige Auslöser für diese Spannungen.

Baukastensystem und Transparenz zur Kundenbindung

Dr. Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, sieht hierfür die Lösung in einem buchbaren Baukastensystem von Dienstleitungen. Dieses System besteht aus einem Pauschalpreis für eine Halbpension und flexibel zubuchbaren Dienstleistungen wie Weide, Zusatzfutter oder das Anziehen von Gamaschen und Fliegenmaske. «Wir machen eine Leistung gerne, aber wir wollen dafür auch bezahlt werden» erklärt Hodel. Solange der Pensionsgeber solche Zusatzleistungen gratis erbringt, sind sie selbstverständlich und werden wenig geschätzt und häufig eingefordert. Darüber hinaus wird die Berechnung der Kosten für den einzelnen Pferdebesitzer gerechter: Wer wenig bucht, zahlt auch weniger. Hodel rät den Teilnehmern die eigenen Betriebe kritisch zu durchleuchten und nur die Dienstleistungen zusätzlich anzubieten, die auch gut und fachmännisch ausgeführt werden können. «Wenn der Kunde das Pferd nachbandagieren muss, da eine Bandage nicht richtig sitzt, ist es keine Dienstleitung, die er bezahlen möchte». Seiner Meinung nach steigt die Kundenzufriedenheit und Kostensensibilität der Pferdebesitzer durch dieses Model und der Mehraufwand wird dem Bauern entschädigt. Insgesamt kann dieses System sogar zu einem Spannungsabbau führen.

Kosten der Halbpension richtig berechnen

Die Pferdehaltung in der Schweiz ist in den letzten 20 Jahren um 68 % gestiegen, das erhöht den Konkurrenzdruck gewaltig. Angebote von 500 Franken für eine Halbpension eröffnen einen starken Preiskampf um Kunden. Hierbei muss sich der einzelne Bauer aber die Frage stellen, wann dieser Betriebszweig wirtschaftlich ist. Davon auszugehen, dass das Heu sowieso vorhanden ist und man eh auf dem Hof ist, wäre zu einfach gedacht. Lukas Baur, Leiter der Beratung für Betriebswirtschaft des Zürcher Bauernverbandes, zeigt in seinem Vortrag auf, dass der Pensionspreis bei 850.- bis 1`100 Franken /Monat für eine Halbpension (Misten, dreimal täglich füttern, inklusive Futter, Einstreu und einfach Infrastruktur) liegen muss, um kostendeckend zu wirtschaften. Hierbei werden neben Futter und Arbeitsaufwand auch die Kosten für die Amortisation eines Stalles berechnet. Wie hoch die Pauschale am Ende liegen muss, ist sehr individuell. Beachten sollten aber alle Bauern, dass die eigene Arbeitsleistung mit einem gerechten, für einen Betriebsleiter angedachten Lohn abgegolten wird.  

Boxenhaltung am Zeitintensivsten

Bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit eines Betriebszweiges ist die aufzuwendende Arbeitszeit ein wichtiger Faktor. Joël Lüthi, Stefan Kuhn und Marina Casanova, Absolventen Höhere Fachschule Agro-Techniker, erhoben daher die Arbeitszeit in der Pferdehaltung. Idee der durchgeführten Arbeitszeiterfassung war es eine Übersicht über den Zeitbedarf in den verschiedenen Haltungssystemen zu schaffen. Die Erhebung zeigte, dass der Arbeitsprozess Misten in allen Systemen den grössten Zeitfresser darstellt. Die kürzesten Arbeitszeiten wurden im Gruppenlaufstall gemessen. Hier werden im Durchschnitt täglich 21.74 Minuten pro Pferd aufgewendet. An zweiter Stelle steht der Aktivstall mit 22.51 Minuten pro Pferd und Tag. Der Grund für die tiefen Arbeitszeiten im Aktivstall liegt darin, dass bei der Fütterung und weiteren Arbeitsprozessen bereits viele Abläufe mechanisiert bzw. automatisiert sind. Die höchste Arbeitszeit pro Pferd und Tag fällt in der Boxenhaltung an mit durchschnittlich 29.16 Minuten. Insgesamt zeigte sich, dass sich eine allgemeingültige Aussage über die verschiedenen Arbeitszeiten in den Stallsystemen sehr schwer gestaltet, da die Betriebe in der Pferdehaltung nicht genormt sind und sich daher die jeweiligen Arbeitsprozesse stark unterscheiden.

Fazit des Strickhof-Pensionspferde-Tages

Der Pensionspreis ist nicht allein für die Kundenzufriedenheit verantwortlich. Die Pferdebesitzer verbringen auf dem Hof ihre Freizeit und wollen ihren Liebling gut versorgt wissen. Hier gilt: Es geht nicht darum, ob es einem Pferd gut geht; es geht darum, dass der Besitzer das Gefühl hat, es gehe ihm gut! Insgesamt zeigt sich am Strickhof-Pensionspferde-Tag, dass das Thema hochaktuell ist und stark diskutiert wird. Die 140 Teilnehmer des Tags nutzen die Pausen und Workshops, um individuelle Probleme und Lösungsansätze auszutauschen und sich über die Situation am Markt zu informieren.



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