5. Fischforum Schweiz vom 17. Februar 2017 am Strickhof in Lindau

22.02.2017
Gruppenbild mit der Moderatorin und den Referenten des Vormittags (v.l.): Dominik Refardt, Florian Nagel, Johann Torno, Constanze Pietsch, Ruedi Ryf sowie Alexander Rose

Gruppenbild mit der Moderatorin und den Referenten des Vormittags (v.l.): Dominik Refardt, Florian Nagel, Johann Torno, Constanze Pietsch, Ruedi Ryf sowie Alexander Rose

Eine erfolgreiche Fischzucht oder –mast benötigt mehr als den Kauf einer geeigneten Anlage. Am Fischforum stand deshalb die Frage im Vordergrund: Wie kann die Aquakultur in der Schweiz «fit für die Zukunft» gemacht werden?

Das 5. Fischforum Schweiz eröffnete Dr. Roger Bolt mit den Worten «Der Strickhof ist als älteste landwirtschaftliche Schule in der Schweiz auch die einzige, die über eine Fischanlage verfügt». Weiter zitierte der Spezialist für Tier- und Fischhaltung am Strickhof das chinesische Sprichwort «Gib einem Menschen einen Fisch – er hat einen Tag lang zu essen. Lerne ihn zu fischen, und er wird nie hungern». Damit knüpfte er an das Tagungsmotto «Fit für die Zukunft» an. Denn die Entwicklung der Aquakultur, insbesondere in geschlossenen Kreisläufen, schreitet in der Schweiz derzeit rasch voran. Um die Schweizer Fischzüchter und –mäster für die Herausforderungen der Zukunft gut zu rüsten, hatte das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW deshalb zusammen mit dem Strickhof als Kooperationspartner das 5. Fischforum Schweiz organisiert. Der Anlass fand am 17. Februar am Strickhof in Lindau statt.

Herausforderung Futtermittelproduktion
Die vielen an der Fischtagung interessierten Besucherinnen und Besucher begrüssten von Seiten des Organisationsteams der ZHAW Dr. Dominik Refardt und Dr. Constanze Pietsch. Mit den Worten «Die meisten Fischfutter sind nicht nachhaltig produziert» leitete die Moderatorin über zum ersten Referat von ETH-Professor Alexander Mathys mit dem Thema «Nachhaltige Futtermittelproduktion aus Insekten». Interessant war es zu erfahren, dass Larven von Soldatenfliegen als Futtermittel in Aquakulturen in der Schweiz bereits erlaubt sind. Zudem sollen vom 1. Mai 2017 weg sogar drei Insekten-Arten als Lebensmittel zugelassen werden. Dass die Schweiz in der Insektenproduktion weltweit mit dabei ist, zeigt sich auch darin, dass die Firma Bühler zusammen mit einem holländischen Partner Insekten industriell produzieren und verarbeiten will. Denn nicht nur weisen diese Tiere in der Trockensubstanz einen Protein-Gehalt von 30 bis 80 Prozent auf, sondern auch einen Fettgehalt von etwa 10 Prozent.
Als nächster Referent ging Ruedi Ryf, Manager für Nachhaltigkeit bei der Firma Swiss Alpine Fish, auf die Problematik des Antioxidationsmittels Ethoxyquin ein. Während dieser chemische Stoff in der EU als Pflanzenschutzmittel seit 2011 verboten ist, wird er dem Fischfutter während der industriellen Herstellung nach wie vor als Antioxidationsmittel beigegeben.
Wie die Forschung und Entwicklung als Grundlage eines Futtermittelprogramms für mehr als 35 Fischarten in über 70 Ländern aussieht, darüber berichtete Dr. Florian Nagel, Forschungs-Manager bei Aller Aqua Research. Des Weiteren hielten mehrere Referenten und eine Referentin Vorträge zu den Themen Produktion von Fischen und Krevetten in Kreislaufanlagen, Fischkrankheiten, Steigerung der Immunkompetenz der Fische durch Bierhefeprodukte sowie Fischwohl in Schweizer Aquakulturen.

Fischzucht in der Schweizer Landwirtschaft
Für Landwirte, die vorhaben, auch noch «Fischwirte» zu werden, war die Präsentation von Dr. Pius Hofstetter sehr interessant. Der Regionalmanager ländliche Entwicklung am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Schüpfheim (LU) stellte zusammen mit Boris Pasini von der ZHAW das Projekt «Regiofisch Zentralschweiz - Frisch vom Hof» vor. Dabei geht es darum, dass einige Landwirte einzelbetrieblich in Indoor-Kreislaufanlagen Zander und Kirschlachse in bestehenden landwirtschaftlichen Gebäuden mästen. Sie sind genossenschaftlich organisiert und betreiben zur Vermarktung der jährlich produzierten 30 Tonnen Fisch (ab 2018) eine Geschäftsstelle.
Auf die rechtliche Situation von Landwirten, die in der Landwirtschaftszone in Kreislaufanlagen Fische produzieren, ging Dr. Roger Bolt ein. Sein Fazit: Derzeit dürfen Landwirte im Nebenerwerb in bestehenden landwirtschaftlichen Gebäuden Fische halten. Sie müssen jedoch eine fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung in der Haltung, dem Umgang und dem Fang von Fischen absolvieren. Die Haltung von Fischen ist zudem bewilligungspflichtig.
Bei einem Apéro mit Fischspezialitäten hatten die Teilnehmenden ein weiteres Mal Gelegenheit, sich untereinander und mit den Organisatoren und Referenten der Tagung auszutauschen. (weid)



Zusätzliche Informationen zum Inhalt