Vorbereitung von Pflanzgut und Parzelle

16.02.2017

Bei Frühkartoffeln sind die Pflanzungen im Gange, bei der Pflanzgut- und Lagerkartoffelproduktion voraussichtlich in 1-2 Monaten. Pflanzgutstimulierung und Grunddüngung sind die ersten Arbeitsschritte der Anbausaison.

 

Gute Ausgangslage

Das Keimwachstum bei Kartoffeln steht in direktem Zusammenhang mit der Temperatur. Bei den Kartoffeln spricht man in diesem Zusammenhang vom physiologischen Alter der Knollen. Die physiologische Uhr einer Kartoffelknolle beginnt bei einer Pflanzkartoffelknolle bereits ab der Bildung der Knolle - im Vorjahr - zu ticken. Die Dauer der Keimruhe von Pflanzkartoffeln hängt also nebst der Lagertemperatur auch von den Durchschnittstemperaturen im Feld des Pflanzkartoffelproduzenten ab. Aufgrund der kühleren Bodentemperaturen bei der Pflanzkartoffelproduktion 2016 kann eher mit keimträgen Posten gerechnet werden. Eine gute Ausgangslage also, wenn man an Posten denkt,  bei welchen andere Jahre bereits im Dezember Keime stossen. Bei empfindlichen Sorten wie Agata, Amandine, Celtiane, Ditta, Gourmandine, Bintje, Lady Felicia und theoretisch auch Victoria ist ein zu frühes Keimen wegen dem Risiko eines Keimabbruchs zu vermeiden.
Die Dauer der Keimruhe ist ebenfalls sortenspezifisch. In Abhängigkeit der Lagerfähigkeit  bestehen ausgeprägte Unterschiede zwischen den Sorten. Die schweizerische Sortenliste von swisspatat liefert unter anderem dazu die notwendige Information.

Vorkeimen / Keimstimulierung

Mit dem Vorkeimen bzw. Stimulieren des Pflanzgutes wird durch gezielte Erwärmung der Pflanzknollen die Keimruhe verkürzt und damit verbunden ein rascheres Auflaufen und ein früherer Knollenansatz gefördert. Die Vorteile sind:

  • Reduktion der Gefahr von Rhizoctonia-Schäden beim Auflaufen (v.a. in schwereren, kalten Böden).
  • Zügige Jugendentwicklung mit raschem Bodenschluss verdrängt (Rest)Unkraut.
  • Verkürzung der Wachstumszeit um 1-2 Wochen, d.h. frühere Ernte
  • Tendenzielle Erhöhung der Knollenzahl je Staude
  • Bei Veredlungsrohstoff tendenziell bessere Stärkegehalte erzielbar durch raschere Reife
  • Mehrertrag von ca. 10-15% möglich.

In der Praxis wird Pflanzgut oft während einigen Tagen vor der Pflanzung keimstimuliert („Wärmeschock“). Dabei werden die Knollen in den Paloxen langsam auf bis 20° C erwärmt. Mit dieser Methode werden Kosten und Arbeit des Vorkeimens vermieden. Der Effekt ist aber auch nicht derselbe, denn es wird lediglich ein „Spitzen“ der Keime erzielt. Beim „Wärmeschock“ dürfen die Kartoffeln nicht direkt mit Warmluft angeblasen oder zu rasch aufgewärmt werden. Eine regelmässige Frischluftzufuhr muss ebenfalls gewährleistet sein. Andernfalls könnten die Pflanzknollen im Innern ersticken und  treiben nicht mehr aus.

Grunddüngung

Das Wurzelwerk der Kartoffeln ist relativ dünn und wächst wenig tief. Verbunden mit einer kurzen Vegetationszeit bedingt diese Tatsache eine besondere Beachtung der Nährstoffversorgung. Die Grunddüngung (Phosphor, Kalium und Magnesium) richtet sich grundsätzlich nach dem aktuellen Gehalt im Boden (Bodenprobe nicht älter als 5 Jahre). Auch bei angereichertem Bodenvorrat empfehlen wir, nicht auf eine Grunddüngung zu Kartoffeln zu verzichten. Idealer Zeitpunkt der Grunddüngung ist zur Pflanzung, vor der Pflanzbettbereitung.

Phosphor wird in einer leicht löslichen Form empfohlen. Bei Mehrnährstoffdüngern und Triplesuperphosphat ist eine rasche Löslichkeit gewährleistet. Die Normdüngung bei Phosphor ist sorten- und ertragsunabhängig, für Lagerkartoffeln bei rund 90 kg P205/ha.

Kalium trägt zur Erfüllung von vielfältigen Funktionen in der Pflanze bei. Die Höhe der Kalimenge kann an den erwarteten Stärkegehalt der Knollen angepasst werden. Den niedrigsten Kalibedarf haben frühe, festkochende Speisesorten (250 kg/ha K20/ha bei ausgeglichener Bodenversorgung). Den höchsten Bedarf haben späte, stärkereiche Verarbeitungssorten (400 kg/ha K20/ha bei ausgeglichener Bodenversorgung). Kartoffeln reagieren auf grössere Chlor-Mengen empfindlich. Kalichlorid (Kali 60) in Gaben über 200 kg/ha sollten daher mindestens einen Monat vor der Pflanzung gestreut werden. So kann das Chlor mit Niederschlägen verdünnt werden.

Magnesium und Kalium können sich in der Aufnahmefähigkeit für die Pflanze konkurrenzieren. Dies ist bei hohen Kaligaben zu berücksichtigen. Eine Magnesiumgabe von 20% der Kalimenge ist deshalb sinnvoll. Dieses Verhältnis ist bei Patentkali gegeben.

Die Frage, ob Mehrnährstoffdünger oder Einzelkomponenten eingesetzt werden sollen, richtet sich nach dem Bodenvorrat und betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Bei unausgewogenen Verhältnissen von P und K im Boden gibt es ev. kein passendes Produkt im Angebot. Ansonsten steht der Mehraufwand für zusätzliche Durchfahrten bei Einzelkomponentendüngern dem teureren Preis von Mehrnährstoffdüngern gegenüber. Rabatte und die Begrenzung der verschiedenen Düngerprodukte je Betrieb sind zusätzliche Entscheidungsfaktoren.