Strickhof Milch-Tag vom 27. Januar 2017

31.01.2017

Nur stressfreie Kühe geben Milch mit geringen Zellzahlen. Das haben die Teilnehmenden des Strickhof Milchtags 2017 als Input auf ihre Betriebe mitnehmen können.

Am Morgen des Strickhof Milchtags 2017 referierten verschiedene Fachpersonen zum Tagungsthema «Fütterung: Kennzahl Zellzahl». Dabei ging es in der voll besetzten Halle in Lindau ZH am 27. Januar 2017 vor allem um die Kuh und ihre Zellzahlen - vom gesetzlichen Kontext, der Situation in der Schweiz bis hin zu möglichen Gründen für erhöhte Zellzahlen.

Unterschiedliche Anforderungen
Bei der Milchproduktion mit tiefen Zellzahlen sind die öffentlich-rechtlichen von den privat-rechtlichen Anforderungen zu unterscheiden. Während im Gesetz die Obergrenze von 350’000 Zellen pro Milliliter (ml) Milch gilt, fordern viele Abnehmer tiefere Zahlen. Auch die Berechnungsmethoden sind verschieden. Oft wird das geometrische Mittel von zwei monatlichen Proben erhoben. Das heisst, dass als Bewertungswert die Wurzel aus dem Produkt der beiden Messungen gilt. Ergeben also die Proben einer Kuh bei der ersten Messung 900'000 Zellen / ml Milch und bei der zweiten 100’000 Zellen / ml Milch, so beträgt das geometrische Mittel 300'000 Zellen / ml Milch, sprich die Milch kann abgeliefert werden. Im privat-rechtlichen Gebrauch gilt hingegen der schlechtere der beiden Werte, in diesem Beispiel 900’000 Zellen / ml Milch. Die Milch ist also nicht ablieferbar.

Höhere Zellzahlen im Sommer
Im Sommer ist es schwieriger als im Winter, Milch mit tiefen Zellzahlen zu produzieren – dies wissen viele Milchproduzenten. Auch der Referent Stefan Bless von der Milchwirtschaftlichen Beratung Plantahof-Strickhof bestätigte und illustrierte diese Tatsache mit verschiedenen Grafiken. Der Grund für die im Sommer erhöhten Zellzahlen beruht darauf, dass die Kühe dann erhöhtem Stress ausgesetzt sind. Bekannt ist der Hitzestress - aber auch die Fliegenplage ist nicht zu unterschätzen, da die Fliegen die Kühe in den Ruhepausen stören. Zudem übertragen die Fliegen den Pyogenes-Erreger, der Mastitis, eine bakterielle Euterentzündung, auslöst. Die gute Nachricht: Die Schweizer Milchproduzenten haben das Problem im Griff. Im Sommer erfüllt 96% der abgelieferten Milch die Anforderungen, im Winter sogar 99%.

Stress vermeiden
Für Dirk Bechmann von Nutriform SA ist die Vermeidung von Stress eine wichtige Strategie. Wenn die Kühe gestresst sind, muss die Ursache gefunden werden, so der Fütterungsspezialist. «Im Milchviehstall spielt das Dreieck Mensch, Tier und Technik. Dieses Dreieck gelte es, in Einklang zu bringen, sodass sie gemeinsam funktionieren», betonte er in seinem Referat. Stress sei die Auswirkung eines Ungleichgewichts in diesem Dreieck, so Dirk Bechmann. Auch der Mensch könne bei Kühen Stress auslösen, wenn er selbst Hektik zeige. Zudem können technische Geräte laut dem Fütterungsspezialisten bei Kühen Stress auslösen: Durch WLAN- oder Bluetooth-Strahlen könnten Kühe Kopfschmerzen bekommen. Die Verursachergeräte werden heutzutage in modernen Ställen alltäglich eingesetzt. Wenn Kühe ihre Nase über längere Zeit gegen die Tränke oder eine Absperrung drücken, sei das ein Anzeichen einer hohen Strahlenbelastung. «Negative Auswirkungen auf die Milchleistung und –qualität sind die Folge», so die Schlussfolgerung von Dirk Bechmann.

Tiere stärken statt behandeln
Eine Kuh muss bei hohen Zellzahlen gestärkt und nicht zwingend behandelt werden. In diesem Punkt waren sich die Referenten einig. Markus Burkhard von Multiforsa sagte, der Leitkeim müsse ausfindig gemacht werden. Es gelte herauszufinden, ob der Erreger Kuh-assoziiert ist oder aus der Umwelt komme. Erst dann könne an der Fütterung oder an einem Umweltfaktor geschraubt werden.
Wenn die Ursache behoben werden kann, wird eine Antibiotikabehandlung oft hinfällig.

Stark durch gute Fütterungspraxis
Werner Hengartner, Fütterungslehrer am Strickhof, referierte über das Thema Futterhygiene. Nicht nur das Futter müsse sauber sein, sondern auch die Maschinen und Bauten, die damit in Kontakt kämen.
Tiere werden aber auch durch eine gute Fütterung gestärkt. Bei steigendem Maisanteil in den Rationen ist die Strukturwirkung keine Selbstverständlichkeit mehr, erklärte Peter Ulrich, Absolvent Höhere Fachschule für Agrarwirtschaft. Das Häckselverfahren Shredlage kann dabei helfen, futterbedingten Stress zu reduzieren. Durch die intensive Zerfaserung der Maispflanzen im Shredlage-Cracker wird die Verdaulichkeit der Maissilage verbessert. Denn die Körner werden darin stark verkleinert und zerquetscht, wodurch sie von der Kuh besser verwertet werden können. Die aufgenommene Mehrenergie durch Shredlage hilft der Kuh, ihre Immunabwehr zu stärken.

Strategie finden
Letztendlich muss jeder Betriebsleiter seine eigene Strategie finden, um seinen Kühen einen stressfreien Alltag zu ermöglichen. Er muss seine Strategie definieren, konsequent umsetzen und sich selber regelmässig kontrollieren. Das Zitat vom Philosophen Thomas von Aquin trifft es auf den Punkt: «Für Wunder muss man beten, für Veränderungen arbeiten».

Peter Ulrich, Absolvent Höhere Fachschule für Agrarwirtschaft



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